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Die meisten Erkrankungen treten bei Kindern zwischen dem 2. und 6. Lebensjahr auf. Seit einiger Zeit ist auch eine zunehmende Verlagerung des Erkrankungsschwerpunktes ins spätere Kindesalter festzustellen.
Der Mensch ist das einzige bekannte Reservoir für das Virus, dass äußerst ansteckend ist. Schon der Name "Windpocken" verweist auf die hohe Ansteckungsgefahr, denn das Virus wird über die Luft (aerogene Tröpfcheninfektion) übertragen. Auch durch direkten Kontakt mit dem Bläscheninhalt auf der Haut kann das Virus übertragen werden. Die im Zuge der Krankheit auf der Haut entstehenden Bläschen, sollten nicht aufgekratzt werden, da die Flüssigkeit Viren enthält und hochinfektiös ist.
Infizierte Personen sind bereits etwa 1-2 Tage vor Auftreten des charakteristischen Hautausschlags bis zu 5-7 Tage nach Auftreten der letzten Bläschen ansteckend.
Bei fast allen Infizierten kommt es nach einer Inkubationszeit von 11 bis 16 Tagen - selten nach bis zu vier Wochen - zu Fieber und gleichzeitig zu dem charakteristischen, stark juckenden Ausschlag. Auf der Haut entstehen wassergefüllte Bläschen, die nach einigen Tagen verkrusten. Wenn der Patient nicht kratzt, fallen sie normalerweise ohne Narbenbildung ab. Wie oben beschrieben, ist der Bläscheninhalt hochinfektiös. Die Erkrankung verläuft überwiegend gutartig.
Bei Kindern mit angeborener Abwehrschwäche (Immundefekt), aber auch bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, deren Immunabwehr durch eine medikamentöse Therapie geschwächt ist, kann eine Varizellen-Infektion einen schweren Verlauf nehmen.
Komplikationen treten vor allem dann auf, wenn es zu einer bakteriellen Superinfektion kommt. Als schwere Folgeerkrankungen können Lungenentzündung (Pneumonie), Nieren-, Mittelohr- oder Herzmuskelentzündung auftreten. Auch kann das zentrale Nervensystem durch Entzündung des Kleinhirns oder Großhirns angegriffen werden. In seltenen Fällen, vor allem bei abwehrgeschwächten Personen, kann die Erkrankung tödlich verlaufen.
"Windpockenerkrankungen" während der ersten Schwangerschaftsmonate führen zu Schädigungen des ungeborenen Kindes. Es kann zu Missbildungen wie Kleinwuchs, unterentwickelten Gliedmaßen und Hautveränderungen kommen. Neugeborene, deren Mütter 5 Tage vor und bis zu 2 Tagen nach der Geburt an Windpocken erkranken, sind ebenfalls besonders durch Windpocken gefährdet. Die Kinder-Sterblichkeit liegt in diesen Fällen bei 30 bis 35 Prozent.
Bei Personen, die eine Windpocken-Erkrankung bereits durchgemacht haben, kann es unter bestimmten Umständen zu einer Reaktivierung des Varicella-Zoster-Virus und damit zu einer Gürtelrose (Herpes zoster) kommen. Betroffen sind vor allem ältere bzw. immungeschwächte Personen. Bei der Herpes-zoster-Erkrankung kommt es unvermittelt zu starken, langanhaltenden Schmerzen in örtlich begrenzten Hautbezirken, wo sich bald blutende, eitrige Pusteln und Bläschen bilden. Wie bei den Windpocken kann auch bei der Herpes-zoster-Erkrankung das zentrale Nervensystem in Mitleidenschaft gezogen werden z.B. in Form einer Meningitis (Hirnhautentzündung) oder Enzephalitis (Gehirnentzündung).
Seit 2004 ist die Varizellen-Impfung als Standardimpfung für Kinder von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen und in den Impfkalender aufgenommen worden. Wie bei der Impfempfehlung für Masern, Mumps, Röteln (MMR) soll die erste Impfung möglichst im Alter von 11-14 Monaten und die zweite Impfung im Alter von 15-23 Monaten erfolgen. Die Impfungen können jedoch auch jederzeit nachgeholt werden. Der Abstand zwischen den beiden Impfdosen sollte mindestens vier bis sechs Wochen betragen. Die Impfungen können sowohl mit einem Varizellen-Einzelimpfstoff (sogenannte Varizellen- Monoimpfstoffe) als auch mit einem Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen (MMRV) erfolgen.
Eine weitere Empfehlung zur Impfung gilt für ungeimpfte 9- bis 17-jährige Jugendliche ohne Varizellen-Krankheitsgeschichte. Sie sollten möglichst bald geimpft werden, da eine Erkrankung bei Ihnen in der Regel öfter zu Komplikationen führt. Auch die älteren Kinder erhalte zwei Impfungen - entsprechend der Angaben der Impfstoffhersteller.
Mehr zur Impfung und den einzuhaltenden Abständen lesen Sie unter:
Varizellen-Impfung für Kinder
Varizellen -Impfung für Erwachsene
Das Varicella-Zoster-Virus ist weltweit verbreitet. In Deutschland sind Varizellen unter den Infektionskrankheiten im Kindesalter, die prinzipiell durch Impfung vermeidbar sind, am häufigsten.
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