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Windpocken (Varizellen): Symptome, Krankheitsverlauf und Impfung

Windpocken sind eine weltweit verbreitete, hoch ansteckende Krankheit, verursacht durch das Windpocken-Virus Varicella zoster. In vielen Fällen verlaufen sie glimpflich, nicht selten stellen sie jedoch ein hohes Risiko dar: Wie bei Röteln drohen ungeborenen Kindern bei Erkrankung der Mutter während der Schwangerschaft schwere Fehlbildungen.

Impfung für Kinder und Erwachsene ohne Impfschutz

Schwere Windpockenerkrankungen lassen sich nicht immer mit Medikamenten erfolgreich behandeln. Tragischerweise sind jedes Jahr sogar in Deutschland Todesfälle durch Windpocken zu beklagen. Den bestmöglichen Schutz bietet nur die rechtzeitige Impfung. Geimpft werden können gesunde Kinder ab 9 Monaten.

Empfohlen ist die Varizellenimpfung außerdem für alle Personen, für die eine WindpockenInfektion ein besonderes Gesundheitsrisiko darstellt.

Die Impfung gegen Windpocken besteht aus 2 Dosen und wird in der Regel im Alter von 11–14 Monaten und von 15–23 Monaten durchgeführt. Personen mit erhöhtem Risiko, wenn sie ohne Impfschutz sind bzw. bei negativem Ergebnis einer Serumuntersuchung auf eine durchgemachte WindpockenErkrankung:

  • empfängliche Patienten (Kinder) mit schwerer Neurodermitis (Hauterkrankung)
  • ungeschützte Patienten (Kinder) bei geplanter Immunsuppression, z. B. vor einer Organtransplantation
  • Geschwister und Eltern der vorstehend Genannten
  • ungeschützte Frauen mit Kinderwunsch
  • ungeschütztes Personal bei Neueinstellungen in Gemeinschaftseinrichtungen für das Vorschulalter
  • ungeschütztes Personal im Gesundheitsdienst, ungeschütztes Personal, das Immundefiziente betreut
  • Inkubationsimpfung: Bei ungeimpften Personen ohne WindpockenErkrankung in der Vorgeschichte, die Kontakt zu Risikopersonen haben, ist eine Impfung innerhalb von 5 Tagen nach Exposition oder innerhalb von 3 Tagen nach Beginn des Ausschlages beim ursprünglich Erkrankten (Indexfall) zu erwägen. Exposition heißt: 1 Stunde oder länger im gleichen Raum mit einer infektiösen Person oder direkter Kontakt oder eine infektiöse Person im gleichen Haushalt. Eine Auffrischimpfung ist nicht notwendig.

Bei 10 bis 20 % der Impflinge kann es zu vorübergehender leichter Rötung, Schwellung und Schmerz an der Injektionsstelle und leichter bis moderater Temperaturerhöhung kommen. Gelegentlich kann es 1–4 Wochen nach der Impfung zu Symptomen einer leichten „Impfkrankheit“ (Fieber mit einem schwachen Hautausschlag) kommen. Bei der Impfung von immungeschwächten Personen treten die beschriebenen Reaktionen deutlich häufiger auf, sodass die Impfung bei diesen Personen nicht angezeigt ist. Allergische Reaktionen sind sehr selten. Es wurde über Einzelfälle von allergischer Sofortreaktion, Gürtelrose oder Lungenentzündung bei gesunden und immungeschwächten Impflingen in der Literatur berichtet sowie über eine Übertragung der Impfkrankheit mit Ausschlag von einer geimpften auf eine zumeist immungeschwächte Kontaktperson. Bei einer Allergie gegen Neomycin (Antibiotikum) sollte nicht geimpft werden. Bitte wenden Sie sich an Ihren Arzt, wenn Sie Fragen zu Nebenwirkungen der Impfstoffe haben. Eine Übersicht über beobachtete Nebenwirkungen und deren Häufigkeit finden Sie in der Gebrauchsinformation der jeweiligen Impfstoffe.


Verbreitung und Übertragung: Windpocken kommen mit dem Wind

Windpocken sind weltweit verbreitet und hoch ansteckend. Man kann sich an ihnen buchstäblich „wie durch den Wind“ anstecken – daher haben sie Ihren Namen. Schon ein gemeinsamer Aufenthalt in einem Zimmer zusammen mit einem Infizierten kann ausreichen. Praktisch jeder Mensch infiziert sich im Laufe seines Lebens mit Windpocken. Niemand kann allerdings vorhersagen, wer die potenziell schweren Komplikationen erleiden wird. Entgegen weit verbreiteter Meinung sind es im Wesentlichen ansonsten gesunde Personen, die von der Mehrzahl der Komplikationen betroffen sind.


Gürtelrose als Windpocken-Komplikation viele Jahre später

Zwischen der Ansteckung und den ersten Krankheitszeichen vergehen in der Regel 14 bis 16 Tage. Die Erkrankung beginnt mit einem Hautausschlag, der meist von Fieber begleitet ist: Kleine, einzeln stehende rote Flecken wandeln sich rasch in etwa linsengroße Bläschen, die sich eintrüben und nach einigen Tagen verschorfen und abheilen. Typisch ist, dass verschiedene Stadien des Hautausschlages (Flecken, Bläschen, Pusteln, Krusten) gleichzeitig nebeneinander bestehen, sowie ein starker Juckreiz.

Normalerweise verläuft die Krankheit gutartig und ist nach 1 bis 2 Wochen überstanden. Ansteckend sind die Windpocken bereits 1 bis 2 Tage vor dem Auftreten des Ausschlags. Die Ansteckungsfähigkeit der Windpocken erlischt etwa mit dem 5. Tag nach Auftreten der letzten frischen Hauterscheinungen. Die Windpocken hinterlassen eine sehr lang anhaltende, vermutlich lebenslange Immunität.

Am höchsten ist das Komplikationsrisiko bei Erkrankung im 1. und nach dem 16. Lebensjahr. In 1 von 4.000 WindpockenFällen kommt es zu einer Entzündung des Kleinhirns mit der Folge von Gleichgewichtsstörungen. Die Heilungsaussicht ist hier gut. Eine Entzündung des Großhirns tritt bei 1 bis 2 pro 10.000 erkrankten Kindern auf, hat jedoch eine schlechte Heilungsaussicht. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass Komplikationen durch Windpocken in der Mehrzahl bei ansonsten gesunden Kindern im Haupterkrankungsalter zwischen 1 und 6 Jahren auftreten. Schwere, teilweise lebensbedrohliche Verläufe können bei Kindern mit Abwehrschwäche auftreten (z. B. unter Chemotherapie). Auch Patienten mit schwerer Neurodermitis sind durch bakterielle Superinfektionen besonders gefährdet.

Gefährlich sind WindpockenInfektionen auch während der Schwangerschaft: Eine Erkrankung in den ersten 5 Monaten (8.-21. Schwangerschaftswoche) kann schwere Fehlbildungen des Kindes verursachen. Erkrankt die Mutter um den Geburtstermin herum, führt das oft zu schweren Krankheitsverläufen beim Neugeborenen; viele Kinder sterben daran. Für Frühgeborene ist eine Erkrankung in den ersten 6 Lebenswochen ebenfalls sehr bedrohlich.

Eine zwar sehr seltene, aber äußerst gefürchtete Komplikation einer Windpocken-Erkrankung ist der Schlaganfall. Bei diesen Kindern kommt es im Zusammenhang mit der WindpockenInfektion zu einer Entzündung der Blutgefäße des Gehirns mit der Folge eines Schlaganfalles. Es treten immer wieder durch Windpocken ausgelöste Todesfälle auf.

Eine Besonderheit der Windpocken: Nach überstandener Krankheit verbleiben die Windpockenviren in Nervenzellen des Körpers. Jahre später – besonders im höheren Lebensalter und bei Personen mit geschwächter Immunabwehr – kann durch Wiederaufflammen der Infektion eine Gürtelrose (Herpes zoster) entstehen. Zoster kann von starken Nervenschmerzen begleitet sein, die zum Teil monatelang anhalten. Erwachsene mit Gürtelrose können Windpockenviren auch auf Ungeschützte übertragen.


DE/VAC/0664/17, Dez17