Menu

Das Varizella-zoster-Virus (VZV) – ein Steckbrief

Das Varizella-zoster-Virus (VZV) ist ein weltweit verbreitetes DNA-Virus aus der Familie der Herpesviren. Der Mensch ist das einzige bekannte Erregerreservoir. Das Virus kann zwei unterschiedliche klinische Krankheitsbilder verursachen: Die exogene Erstinfektion (von außen auf den Körper einwirkend)erfolgt in aller Regel im Kindesalterund manifestiert sich in Form von Varizellen (Windpocken). Bei endogener Reaktivierung(im Körper selbst entstehend) entwickelt sich ein Herpes Zoster (Gürtelrose), gehäuft ab 50 Jahren.

Infektionsweg,Infektiositätund Inkubationszeit

Varizellen sind hochinfektiös. Nach einer Exposition erkranken über 90 von 100 empfänglichen Personen (Kontagionsindex zwischen 0,9und 1,0). Die Übertragung erfolgtaerogen durch Tröpfcheninfektion oder durch virushaltigen Bläscheninhalt in Form einer Schmierinfektion. Die Inkubationszeit liegt zwischen 8 und 21 Tagen, in den meisten Fällen zwischen 14 und 16 Tagen.

Beim Herpes Zoster ist nur der virushaltige Bläscheninhalt infektiös. Durch Abdecken der betroffenen Hautregion kann die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung deutlich verringert werden. Außerdem können sich nur Personen anstecken, die noch nicht an Windpocken erkrankt waren (also z. B. die noch ungeimpften Enkelkinder)

Erkrankt eine Schwangere zwischen der 5. und 24. Schwangerschaftswoche an Windpocken, kann eine VZV-Infektion auf das ungeborene Kind übertragen werden und zum fetalen Varizellensyndrom führen. Eine Erkrankung der Mutter fünf Tage vor bis zwei Tage nach der Geburt stellt ebenfalls ein gesundheitliches Risiko für das Baby dar. Eine Gürtelrose hingegen birgt keine Gefahr für das Ungeborene.

VZV persistiert lebenslang in den Spinal-bzw. Hirnnervenganglien. Bei einer Reaktivierung sind die Hautregionen betroffen, die von den befallenen Nerven versorgt werden. Auf Grund dieser Tatsache kommt es zur typischen gürtelförmigen, einseitigen Ausprägung der Gürtelrose.

Klinik

Bei der Erstinfektion treten die Windpocken auf. Nach einem unspezifischen Prodromalstadium mit Unwohlsein, Kopf-und Gliederschmerzen, beginnt die Erkrankung mit einem juckenden Exanthem am Rumpf und Fieber. Im weiteren Verlauf breitet sich das Exanthem am ganzen Körper aus, wobei je nach Stadium Roseolen, Papeln, Bläschen und verkrustete Bläschen vorhanden sind. Die häufigsten Komplikationen sind die bakterielle Superinfektion aufgekratzter Bläschen und die Varizellenpneumonie. Seltene aber schwerwiegende Komplikationen sind eine Meningitis, Enzephalitis, Myelitis transversa, ein Guillain-Barré-Syndrom oder ein Reye-Syndrom.

Bei der endogenen Reaktivierung beginnt die Erkrankung nach unspezifischen, grippalen Vorstadium häufig mit heftigen neuralgischen, meist einseitigenSchmerzen. Es folgt ein segmentgebundenes
bandförmiges Exanthem. Nach einigen Tagen beginnt das Abtrocknen und Verkrusten der Bläschen. Am häufigsten tritt das Exanthem im Brust-oder Lendenbereichauf. Weitere Formen sind:

Zoster ophthalmicus

Ist der 1. Ast des Trigeminusnerves betroffen, manifestiert sich der Herpes Zoster im Gesicht und am Auge. Eine vollständige oder teilweise Erblindung durch Vernarbungen der Hornhaut ist eine mögliche Folge. Weitere Komplikationen sind eine Meningitis, Enzephalitis oder Myelitis.

Zoster oticus

Beim Zoster oticus ist das Ohr betroffen. Es entstehen Bläschen an der Ohrmuschel und im äußeren Gehörgang. Eine häufige Folge ist die Verschlechterung oder der Verlust des Hörvermögens, sowie Störungen des Gleichgewichts, gelegentlich eine Gesichtslähmung und Gesichtsneuralgie (Ramsay-Hunt-Syndrom).

Eine gefürchtete Spätfolge ist die Post-Zoster-Neuralgie (PZN) mit andauernden neuralgischen Schmerzen, auch nach Abheilung des Exanthems.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt, sowohl bei den Varizellen als auch beim Herpes Zoster, durch das klinische Bild. Atypische oder generalisierte Krankheitsverläufe treten vor allem bei immunsupprimierten Patienten auf. Spezifische Diagnostik sollte bei Infektion von Schwangeren oder Neugeborenen, bei Varizellenpneumonie und Erkrankungen des zentralen Nervensystems durchgeführt werden.

Therapie

Bei den Varizellen erfolgt die Therapie meist symptomatisch. Begleiterscheinungen wie Juckreiz können gelindert und Komplikationen (z.B. Superinfektion) verhindert werden. Bei immungeschwächten Patienten ist eine antivirale Therapie möglich.

Beim Herpes Zoster ist vor allem der schnelle Behandlungsbeginn innerhalb von drei Tagen nach Auftreten des Exanthems für den Behandlungserfolg entscheidend. Antivirale und Schmerzmedikamente können auch die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung einer PZN verringern.

Prävention

Zur Vorbeugung der Varizellen gibt es eine von der STIKO empfohlene (Lebend-)Impfung, die ab 11 Monaten verabreicht werden kann. Zwei Impfdosen im Abstand von mindestens vier Wochen sind für einen guten Impfschutz notwendig.

Zur Vorbeugung des Herpes Zoster stehen derzeit zwei Impfstoffe (ein Lebendimpfstoff und ein rekombinanter, adjuvantierter Totimpfstoff) zur Verfügung. Beide Impfstoffe sind für eine Impfung von Personen ab 50 Jahren zugelassen.​


DE/HRZ/0029/18, Jul18


Verwandte Themen

featuredThemaTitle

Was ist Gürtelrose?

Von Gürtelrose haben die meisten bereits gehört. Doch nur die Wenigsten wissen, was es genau mit dieser Erkrankung auf sich hat. Wie eine Gürtelrose entsteht und welche schwerwiegenden Folgen diese Erkrankung mit sich ziehen kann, erfahren Sie im folgenden Text.

  weiterlesen

DE/HRZ/0016/18, Jun18

featuredThemaTitle

Ist Gürtelrose ansteckend?

Die Gürtelrose ist eine ansteckende Infektionskrankheit. Allerdings gibt es Maßnahmen, die Wahrscheinlichkeit für eine Ansteckung zu minimieren. Wer gefährdet ist und was es zu beachten gibt, können Sie hier nachlesen.

  weiterlesen

DE/HRZ/0017/18, Jun18

featuredThemaTitle

Gürtelrose mit schweren Folgen: Post-Zoster-Neuralgie

Eine gefürchtete Folge der Gürtelrose ist die Post-Zoster-Neuralgie (PZN). Dabei handelt es sich um starke Nervenschmerzen, die noch lange nach Ausheilen der Erkrankung bestehen bleiben können. Lesen Sie hier, was besonders wichtig ist, um eine PZN zu verhindern.

  weiterlesen

DE/HRZ/0021/18, Jun18