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Der Lebenslauf des Immunsystems von der Geburt bis ins hohe Alter

Unser Immunsystem ist in der Lage, sehr flexibel auf unterschiedlichste Bedrohungen zu reagieren. Doch so wie mit steigendem Alter manches beschwerlicher wird, altert auch das Immunsystem. Lesen Sie hier die wesentlichen Entwicklungsschritte des Immunsystems von der Geburt bis ins hohe Alter.

Familie mit drei Generationen am herbstlichen Strand

Das Immunsystem ist unsere Lebensversicherung. Das körpereigene Abwehrsystem verhindert, dass der Körper durch das Eindringen von Krankheitserregern oder Parasiten geschädigt wird. Doch das Immunsystem ist nicht statisch – zu Beginn des Lebens ist es noch unreif. Mit der Zeit und einiger Übung lernt es immer mehr dazu und verteidigt den Körper mit aller Kraft. Doch so wie die Haut Falten bekommt, die Augen schwächer werden und die Haare ergrauen, altert auch das Immunsystem.

Das Immunsystem von Babys und Kindern

Im Mutterleib ist der Fötus über die Nabelschnur und die Plazenta mit dem Immunsystem der Mutter verbunden und erhält den nötigen Schutz, beispielsweise wenn die werdende Mutter während der Schwangerschaft krank wird. Doch kaum ist das Baby auf der Welt, wird die Standleitung für Antikörper und Immunzellen, die Nabelschnur, gekappt. Bis das Immunsystem des Säuglings in der Lage ist, die Abwehr vollständig zu übernehmen, vergehen Wochen und Monate. Für diesen Zeitraum hat sich die Natur etwas einfallen lassen. Die erste Milch der Mutter, das Kolostrum, enthält Abwehrstoffe en masse. Wird das Kind gestillt, erhält es auch über die Muttermilch kontinuierlich einen kleinen Nachschub. Allerdings geht dieser Schutz geht im Laufe des ersten Lebensjahres verloren, zugleich wirkt er keineswegs gegen alle Krankheitserreger.

Doch schon während dieser Karenzphase durch das Kolostrum läuft die Ausbildung des Immunsystems auf Hochtouren. Über einen Prozess, der als Selbsttoleranz bezeichnet wird, lernt das kindliche Immunsystem, körpereigene von fremden Strukturen zu unterscheiden. Der Thymus hat hierbei eine wichtige Funktion. In ihm reifen die im Knochenmark gebildeten T-Zellen heran, die für die Erkennung von fremden Strukturen essentiell sind.

Das Immunsystem im mittleren Alter

Unser Immunsystem beginnt jedoch weit früher zu altern, als von den meisten erwartet. Das Knochenmark, in dem die meisten Immunzellen gebildet werden, büßt mit zunehmenden Alter – und wir sprechen hier vom jungen bis mittleren Erwachsenenalter – langsam seine Regenerationsfähigkeit ein. Das heißt, es werden immer weniger Vorläuferzellen für Immunzellen gebildet. Das allein schmälert die Schlagkraft des Immunsystems. Hinzu kommt, dass der Thymus, in dem ein großer und wichtiger Zeil der Zellen ausreifen sollte, ab einem Alter von etwa Mitte 20 beginnt, seine Arbeit einzustellen und immer weiter abgebaut wird. Zwischen 30 und 40 Jahren gibt es diese Unterstützung nicht mehr. Der Körper muss ab jetzt mit den vorhandenen T-Zellen auskommen. Das hat zwei Folgen:

  1. Die Anfälligkeit für Krankheiten nimmt mit steigendem Alter zu.
  2. Die Reaktionskraft des Immunsystems auf einen Angriff nimmt ab.

Das Immunsystem ab 50 Jahren

Aus diesen Gründen sind ältere Menschen anfälliger für Infektionskrankheiten und erkranken häufig schwerer als jüngere Menschen. Darum gehören Menschen ab 60 Jahren zu der Risikogruppe, für die bestimmte Impfungen explizit empfohlen werden, die für Menschen mittleren Alters zwar dennoch sinnvoll, aber nicht zwingend notwendig sind, wie beispielsweise die Impfung gegen Grippe oder Pneumokokken. Auch „Kinderkrankheiten“ wie Keuchhusten können Senioren ganz schön aus der Bahn werfen, ganz zu schweigen von der Gürtelrose, die besonders ältere Menschen trifft.

Unser Immunsystem ist in der Lage, sehr flexibel auf unterschiedlichste Bedrohungen zu reagieren. Doch mit dem Alter wird seine Reaktionszeit langsamer und es reagiert ein wenig träge. Impfungen können die entstehende Lücke klein halten.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, welche Impfungen in welchem Alter sinnvoll sind.


DE/VAC/0472/15az, Apr18