Die Geschichte der Impfung

Von der Inokulation zur Vakzination – anfangs drehte sich alles um die Pocken – schon lange vor Christi Geburt versuchten die Menschen, sich vor dieser schweren und immer wiederkehrenden Seuche zu schützen: vor den Pocken. Gewebe von leicht Erkrankten diente zur „Immunisierung“ für Gesunde. Bis ins 19. Jahrhundert wurde diese Methode praktiziert – und sie breitete sich langsam aus.

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Die längste Zeit der Menschheitsgeschichte waren wir Viren, Bakterien und anderen Krankheitserregern praktisch schutzlos ausgeliefert. Häufig führten Infektionen wie Keuchhusten und Masern, gegen die wir heute impfen können, zum Tod.

Auch wenn sich die Menschen noch bis ins 19. Jahrhundert nicht sicher waren, welches die Auslöser von Infektionskrankheiten sind, so haben sie bereits vor tausenden von Jahren gemerkt, dass eine manchmal durchgemachte Infektionskrankheit vor einer erneuten Erkrankung schützen kann.

Die Pocken – über Jahrtausende unbesiegt

Eine der schlimmsten Seuchen waren die Pocken (Blattern). Bereits 1500 v. Christus versuchten die Menschen in Indien, den Bläscheninhalt der Pocken von leicht Erkrankten auf gesunde Menschen zu übertragen, um sie so vor der Erkrankung zu schützen. Auch in anderen Ländern praktizierte man ähnliche Verfahren (China, Zentralafrika und Südeuropa). Man nannte dieses Vorgehen Inokulation. Anders als beim Impfen werden hierbei die tatsächlichen, nicht abgeschwächten oder inaktivierten Krankheitserreger verabreicht.

Die Inokulation erreicht Europa

Anfang des 18. Jahrhunderts wurde diese Inokulation der Pocken auch in Europa bekannt. Der griechische Arzt Timoni berichtete 1714 der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften in London von einer in Asien erfolgreich praktizierten Methode, bei der Blatternmaterial von Personen mit leicht verlaufenden Pocken in eine künstlich verursachte Stichwunde eines zu Immunisierenden eingebracht wurde.

Lady Montagu, die Ehefrau des britischen Botschafters am Hof in Istanbul, leistete Anfang des 18. Jhr. ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Verbreitung der Inokulation. Sie beobachtete, wie Menschen inokuliert wurden und ließ einerseits ihre eigenen Kinder inokulieren, und berichtete andererseits nach ihrer Rückkehr nach England den dortigen Ärzten davon. In aristokratischen Kreisen und der bürgerlichen Oberschicht fasste man langsam Vertrauen zu der Methode. In dem Bericht eines Sekretärs der Royal Society of London wird bereits 1727 ausgeführt, dass das Risiko, an den Pocken zu sterben, für einen Inokuliertenmit 2:182, für einen Nicht-Inokulierten dagegen mit 2:17 einzustufen sei. Die Schwierigkeit der Inokulation bestand darin, dass eine behandelte Person zwar nur leicht erkrankte, aber dennoch hochgradig ansteckend war und daher von Nicht-Immunen isoliert werden musste.

Der Clou: Die ungefährlichen Kuhpocken verschaffen Schutz vor Menschenpocken

Das Wissen, dass eine Infektion mit Kuhpocken – einer für den Menschen leichten Erkrankung – Schutz vor den für den Menschen gefährlichen Pocken bot, nutzte man bereits im 18 Jhr. in Deutschland und England. Doch erst der englische Landarzt Edward Jenner untersuchte 1796 die Methode vom wissenschaftlichen Standpunkt aus und veröffentlichte die Ergebnisse. Er übertrug den Inhalt einer Kuhpockenblase über einen Schnitt im Oberarm auf einen Jungen und schützte ihn damit gegen Pocken. Weil er die Erreger der Kuh verwendete, nannte Jenner seine Methode Vakzination – von dem lateinischen Wort vacca, die Kuh. Von nun an wurde die Vakzination bekannter und wurde in mehreren Ländern angewendet. Jenners Vorgehen lieferte einen wichtigen Baustein für die flächendeckende Bekämpfung der Pocken. Heute sind die Pocken dank der Impfung und der lange geltenden Impfpflicht weltweit ausgerottet.

Das 20. Jahrhundert – Zeitalter der Impfungen und Impferfolge

Nach den Erfolgen im Kampf gegen die Pocken, die durch die Verbreitung der Pockenimpfung erreicht werden konnte, gab es das Ziel, den großen Pockenepidemien, die zu dieser Zeit in Europa viele Menschenleben kosteten, Einhalt zu gebieten. Dazu musste jedoch verhindert werden, dass die Pocken immer wieder neue Menschen infizieren konnten. Es musste die allgemeine flächendeckende, lückenlose, konsequente und kontinuierliche Durchimpfung der gesamten Bevölkerung erreicht werden. Dazu wurde 1874 in Deutschland das Reichsgesetz zur Pockenimpfung durchgesetzt. Die umfassende Durchimpfung der Bevölkerung führte zu einer drastischen Abnahme der Pockenerkrankungen in Deutschland. Weltweite Anstrengungen der Weltgesundheitsorganisation WHO sorgten dann ab 1967 dafür, dass die Pocken innerhalb von 10 Jahren weltweit verschwanden. Seit 1980 sind sie weltweit ausgerottet.

Auf der Suche nach neuen Impfstoffen

Die Erfahrungen mit der Pockenimpfung und die Entdeckung von Bakterien und Viren als Krankheitserregern ermöglichten die Entwicklung weiterer Impfstoffe. So fand Louis Pasteur 1881 einen Impfstoff gegen den Milzbrand. Kurz darauf entwickelten Emil von Behring und der Japaner Shibasaburo Kitasato das erste Serum (Antikörpergemisch aus dem Blut Genesener) gegen Diphtherie und etwas später auch die Impfung gegen Diphtherie. Es folgten Impfstoffe gegen Tetanus und Pertussis (Keuchhusten) (1926), gegen Gelbfieber und Influenza (Grippe) (1936) und gegen Poliomyelitis (Kinderlähmung) (1955 bzw. 1961). In den 1960er Jahren wurden dann in Deutschland die Impfstoffe gegen Masern, Mumps und Röteln verfügbar.

PEI und STIKO: Ein Tandem für die Sicherheit der Menschen

So überzeugend die Funktionsweise einer Impfung ist, die Anwendung kann erst nach sorgfältiger Prüfung der Sicherheit und der Wirksamkeit erfolgen. Deswegen wurde im Jahr 1972 das Bundesamt für Sera und Impfstoffe, das Paul-Ehrlich-Institut (kurz PEI), eingerichtet, um die Prüfung der Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit von Impfstoffen zu prüfen. Im selben Jahr wurde auch die Ständige Impfkommission (STIKO) ins Leben gerufen, welche Empfehlungen zur Durchführung von Schutzimpfungen in Deutschland erarbeitet und regelmäßig prüft und aktualisiert.

Impfstoffe heute: wirksam und sicher

Seit 1980 kamen noch weitere neue Impfstoffe auf den deutschen Markt: Hepatitis B, FSME, Varizellen (Windpocken), Hepatitis A, Meningokokken, Pneumokokken, Haemophilus influenzae Typ B, Rotaviren, HPV und Herpes Zoster. Die heutigen Impfstoffe sind so wirksam und gleichzeitig sicher, wie nie zuvor.

Weiterhin forschen pharmazeutische Unternehmen daran, die Sicherheit weiter zu verbessern. Es wird auch an Impfstoffen gegen andere Krankheiten, wie beispielsweise HIV, Ebola, Zika, Malaria, COPD, HSV und COVID-19 gearbeitet.

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NP-DE-VX-WCNT-200034, Aug20

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