Grippe-Impfung schon für Kinder? Ja, aber nicht für alle

Drei Kinder

Eine echte Virusgrippe ist eine schwere Erkrankung. In Deutschland rollt die Grippewelle – mal etwas früher, mal etwas später – immer im Winter über das Land und wirft so manchen ordentlich aus der Bahn. Auch Kinder können natürlich an der Grippe erkranken. Da Kinder in der Kindertagesstätte, im Kindergarten oder in der Schule viel und häufig eng mit anderen Kindern spielen, kann sich das Virus schnell verbreiten. Besonders problematisch ist eine Ansteckung für Kinder mit Vorerkrankungen, denn sie erkranken häufig schwer.

Eine Grippeerkrankung kann für diese Kinder schnell lebensbedrohlich werden, wenn Komplikationen wie eine Lungen-, Mittelohr-, Gehirn- oder Herzmuskelentzündung hinzukommt. Bei chronisch kranken Kindern kann das häufiger auftreten.

Kinder mit diesen Erkrankungen sollten gegen Grippe geimpft werden

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Grippe-Impfung für Kinder mit bestimmten Erkrankungen. Dazu zählen:

  • Chronische Erkrankungen der Atmungsorgane, z.B. Asthma
  • Herz- oder Kreislauferkrankungen
  • Leber- oder Nierenerkrankungen
  • Stoffwechselerkrankungen, z.B. Diabetes, Mukoviszidose
  • Chronisch neurologische Erkrankungen, z.B. Multiple Sklerose
  • Angeborene oder später erworbene Störungen des Immunsystems
  • HIV-Infektion
  • HIV-Infektion

Sprechen Sie mit Ihrem Kinder- und Jugendarzt, ob eine Grippe-Impfung für Ihr Kind sinnvoll ist.

Influenza-Impfung per Spritze oder Nasenspray

Kinder können ab dem 6. vollendeten Lebensmonat mit einem inaktivierten Impfstoff (Totimpfstoff) gegen Grippe geimpft werden. In der Regel erhalten sie dieselbe Dosis wie Erwachsene. Kinder unter 10 Jahre, die zum ersten Mal im Leben gegen Influenza geimpft werden, erhalten zwei Impfdosen im Abstand von zwei Wochen.

Als Alternative gibt es für Kinder und Jugendliche zwischen 2 und 17 Jahren die Möglichkeit, die Impfung in Form eines Nasensprays zu bekommen. Dieser Impfstoff ist ein Lebensimpfstoff, d.h. er enthält abgeschwächte, aber vermehrungsfähige Viren. Der Vorteil dieses Impfstoffes ist, dass kein Pieks notwendig ist. Allerdings darf der Lebensimpfstoff nicht verwendet werden, wenn das Kind unter einer Immunschwäche, schwerem Asthma oder Vorschädigungen der Lunge leidet.

Die Grippe-Impfung muss, bei Kindern genauso wie bei Erwachsenen, jährlich durchgeführt werden. Das liegt daran, dass die Influenzaviren durch Mutationen im Erbgut immer wieder ihre Struktur verändern. Das Immunsystem kann mit den „alten“ Antikörpern von einer früheren Impfung die neuen Influenzaviren nicht zielgenau und sicher erkennen. Daher benötigt es jedes Jahr eine möglichst passende Vorlage, um sich auf eine Ansteckung vorbereiten zu können. Die beste Zeit für die Grippe-Impfung ist der Oktober oder November. Bis der Impfschutz vollständig aufgebaut ist, dauert es 10 bis 14 Tage. Mit einer Impfung im Herbst hat das Kind rechtzeitig zur neuen Grippesaison den Impfschutz komplett aufgebaut.

Warum werden nicht alle Kinder geimpft?

In einigen anderen Ländern der EU (z.B. Finnland, Litauen, Malta, Slowenien, Großbritannien, Slowakei) werden nicht nur gefährdete Kinder gegen Grippe geimpft, sondern auch die gesunden. Der Hintergedanke dabei ist logisch: Da Kinder durch die engen sozialen Kontakte in KiTa oder Schule das Virus schnell verbreiten, könnte die Verbreitung stark eingeschränkt werden, wenn alle Kinder geimpft sind. Sind viele Kinder geimpft, hat das auch einen schützenden Effekt für Erwachsene.

In Deutschland wird bei der Influenza-Impfung eine andere Strategie praktiziert. Hier wird die Impfung allen Risikogruppen (Kinder mit Vorerkrankungen, Schwangere, Senioren, chronisch Kranke) empfohlen. Sie haben ein deutlich erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer Grippe- Erkrankung. Daher profitieren diese Personen am meisten direkt von einer Impfung.

Familienangehörige und Kontaktpersonen gegen Grippe impfen

Familienmitgliedern und engen Kontaktpersonen von Kindern mit chronischen Erkrankungen wird die Impfung ebenfalls nahegelegt. Diese Maßnahme verstärkt das Schutzschild um das gefährdete Kind. Sinnvoll ist die Impfung nahestehender Personen auch deshalb, weil beispielsweise bei einem immungeschwächten Kind eine Grippe-Erkrankung trotz Impfung auftreten kann. Sie verläuft in der Regel zwar leichter als ohne Impfschutz, aber wenn auch diese Ansteckung aus dem Umfeld verhindert werden kann, ist das umso besser.

Eine US-amerikanische Untersuchung hat gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit, so schwer an einer Grippe zu erkranken, dass ein Krankenhausaufenthalt nötig wird, bei gegen Influenza geimpften Kindern nur halb so groß ist wie bei ungeimpften. Selbst wenn eine Ansteckung stattfindet, erkrankt das Kind nicht so schwer.


NP-DE-VX-WCNT-200007, Mai20