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Vierfach Grippeimpfung: Breiterer Schutz vor der echten Grippe

ältere Frau wird von Ärztin geimpft

Das, was gemeinhin als „Grippe“ bezeichnet wird, ist meistens keine. In der Mehrzahl der Fälle handelt es sich „nur“ um einen grippalen Infekt, der – zugegebenermaßen – auch ein ordentliches Krankheitsgefühl hervorrufen kann. Doch eine echte Virusgrippe (Influenza) ist ein anderes Kaliber. Typische Symptome sind ein plötzliches schweres Krankheitsgefühl mit hohem Fieber bis zu 40 °C, Kopf- und Gliederschmerzen. Die Erkältungssymptome – Halsschmerzen, Schnupfen und Husten – treten meist erst im Verlauf auf.

Vierfach Grippeimpstoff – was bedeutet das?

Die Grippe wird von verschiedenen Arten von Grippe-Erregern hervorgerufen: den Influenza-Viren, genauer den Influenza A und Influenza B-Virusstämmen. Lange Zeit gab es zwei Influenza A und einen Influenza B-Stamm, also drei Typen von Influenzaerregern. Doch seit Mitte der 1980er Jahre entwickelte sich zu den drei jährlich auftretenden Grippe-Virusstämmen ein neuer, vierter Stamm: Der Influenza B-Stamm spaltete sich in zwei Linien auf. Diese wechselten sich bis zum Jahr 2000 quasi von Saison zu Saison ab, seither jedoch zirkulieren weltweit beide B-Stämme, was zu einer ansteigenden Erkrankungsbelastung geführt hat.

Unterschied der 4-fach-Grippeimpfung und der herkömmlichen 3-fach-Impfung


Lange enthielten Grippeimpfstoffe daher nur Antigene der drei Virusstämme. In Deutschland verimpft werden jedoch seit der Saison 2017/18 fast ausschließlich vierfach Grippeimpfungen, die gegen alle vier vorkommenden Typen gerichtet sind.

Wie Grippeimpfstoffe zusammengesetzt sind

Entsprechend den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden in jeder Grippesaison die Impfstoffe neu zusammengesetzt. Nach einer Gesetzesänderung können sich ab dem Jahr 2018 auch Kassenpatienten besser schützen: Seit diesem Jahr übernehmen die Krankenkassen die Kosten für den Pieks mit dem breiteren vierfach Grippeimpfstoff für alle gefährdeten Personen. Die Grippeimpfung kann z. B. beim Hausarzt durchgeführt werden.

Wer sollte sich impfen lassen?

Eine sinnvolle Maßnahme gegen die Grippe ist die Grippeimpfung. Ausdrücklich von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen und eine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenkasse ist die Impfung für Personen, die durch eine Grippe-Erkrankung besonders gefährdet sind. Das sind:

  • Menschen ab 60 Jahre
  • Schwangere (ab dem 2. Trimenon, bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens ab 1. Trimenon)
  • Menschen (ab 6 Monate), die an einer chronischen Grunderkrankung leiden, z.B. chronische Lungenerkrankungen (Asthma, COPD), Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Immundefekte
  • Mitarbeiter medizinischer Einrichtungen und Personen, die im Berufsalltag regelmäßig mit vielen Menschen in Kontakt kommen.
Wer sollte sich gegen Grippe impfen lassen: Menschen ab 60 Jahren; Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit chronischen Erkrankungen; Schwangere; Medizinpersonal


Für alle anderen Personengruppen besteht von Seiten der Krankenkassen keine Pflicht, die Kosten zu übernehmen, viele tun es dennoch. Es empfiehlt sich, bei der Krankenkasse nachzufragen. In die Personengruppe, die regelmäßig mit vielen Menschen in Kontakt kommen, fallen beispielsweise auch Erzieherinnen und Erzieher und Lehrerinnen und Lehrer.

Der ideale Impfzeitpunkt

Der ideale Zeitpunkt für die Grippeimpfung ist der Oktober oder November. Bis der Impfschutz komplett aufgebaut ist, braucht der Körper ungefähr zwei Wochen. Mit Beginn des Winters steigen auch die Grippeerkrankungen an, doch die meisten Infektionen traten in den vergangenen Jahren jeweils nach dem Jahreswechsel auf.

Grippeimpfung – ist das wirklich nötig?

Viele Menschen sind davon überzeugt, mit einer Grippe in der Vergangenheit spielend fertig geworden zu sein. Häufig jedoch werden Erkältungen mit einer Grippeerkrankung verwechselt. Wie die klaren Krankheitszeichen aussehen, kann man hier nachlesen. Die echte Grippe ist eine schwerwiegende Erkrankung, die auch Menschen ohne Grunderkrankungen und unter 60 Jahren für eine bis mehrere Wochen ins Bett zwingen kann. Auch nach einer überstandenen Grippeerkrankung kann es mehrere Wochen dauern, bis die Leistungsfähigkeit wieder vollständig hergestellt ist. Vorausgesetzt, dass es zu keiner der gefürchteten Komplikationen, wie einer Lungenentzündung oder einer Herzmuskelentzündung gekommen ist.

Wie Grippe und Schlaganfallrisiko zusammenhängen

Die klassischen Risikofaktoren für einen Schlaganfall sind hoher Blutdruck, hohe Cholesterinwerte, Diabetes mellitus, Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel. Dass Maßnahmen, welche diese Faktoren günstig beeinflussen, das Risiko reduzieren, ist sehr gut untersucht. Weniger eindeutig ist, warum ein Schlaganfall genau zu einem bestimmten Zeitpunkt auftritt. Meist trifft einen „der Schlag“ ja vollkommen überraschend. Ob das Auftreten allerdings tatsächlich ganz zufällig ist, oder ob bestimmte auslösende Faktoren, so genannte Triggerfaktoren, eine Rolle spielen können, wurde inzwischen recht gut untersucht.

Infektionen als Auslöser eines Schlaganfalls

Inzwischen kennt man einige Infektionen, darunter die Grippe, die Auslöser für einen Schlaganfall sein können. Selbst ein „einfacher“ Atemwegsinfekt kann das Schlaganfallrisiko um das Zwei- bis Dreifache erhöhen. Wissenschaftler vermuten, dass das allgemeine Entzündungsgeschehen durch die Infektion das Gerinnungssystem und die Thrombozyten (Blutplättchen) aktiviert. Eine Ansammlung in verengten Gefäßen könnte dann den Schlaganfall auslösen. Wenn eine Infektion also nicht erfolgt, kann dieser Auslöser auch nicht wirken. Das konnten auch Studien zeigen: Durch die Grippeimpfung wird auch das Schlaganfallrisiko verringert. Besonders Risikogruppen könnten von diesem Zusammenhang profitieren.

Ein Grund mehr, dass sich diese Gruppen gegen Grippe impfen lassen.


DE/VAC/0539/18, Dez18