Hepatitis A und Hepatitis B – was ist der Unterschied?

Hepatitis A – vor allem eine Reiseerkrankung

Hepatitis A und Hepatitis B, das klingt ähnlich. Daher vermutet man dahinter auch ähnliche oder verwandte Krankheiten.

Hepatitis bedeutet Leberentzündung. Eine solche kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden, beispielsweise durch bestimmte Medikamente, schädigende Substanzen (z. B. Alkohol), eine Autoimmunerkrankung oder Erkrankungen wie Malaria. Außerdem ist eine häufige Ursache für eine Hepatitis eine Infektion mit bestimmten Viren.

Eine Virushepatitis kann akut, mit einer Dauer von unter einem halben Jahr, oder chronisch, mit einer Dauer von mehr als sechs Monaten verlaufen.

 

Chronische Verläufe können zu einer Zersetzung der Leber (Leberzirrhose) und Leberzellkrebs führen.

 

Virusinfektionen der Leber sind weltweit sehr häufige Infektionskrankheiten. Am häufigsten sind die Hepatitis A und B, doch es gibt noch weitere so genannte Virushepatiden (Hepatitis C, D, E).

 

Hepatitis A – vor allem eine Reiseerkrankung

 

Das Hepatitis A-Virus kann eine akute Form der Leberentzündung verursachen. In den meisten Fällen verläuft eine Infektion ohne Komplikationen, besonders bei Kindern kann sie sogar ohne merkliche Krankheitsanzeichen ablaufen. Ansonsten klagen Erkrankte in der ersten Phase der Erkrankung über unspezifische Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit und gelegentlich Fieber. Dann folgt die typische Gelbfärbung der Augen, Schleimhäute und der Haut, weswegen eine Hepatitis umgangssprachlich auch als „Gelbsucht“ bezeichnet wird.

 

Aus deutscher Perspektive betrachtet, ist die Hepatitis A vor allem eine Infektion, die man auf Reisen bekommen kann. In vielen südlichen, wie am Mittelmeer, subtropischen und tropischen Ländern in Asien, Afrika und Südamerika ist die Hepatitis A weit verbreitet. Die Bevölkerung steckt sich meist schon im Kindesalter an und wird immun. Infizierte scheiden die Viren über den Stuhl aus. Es handelt sich um eine fäkal-oral übertragene Erkrankung. Durch schlechte hygienische Bedingungen und Standards können die Viren über verunreinigtes Abwasser verbreitet werden. Über kontaminiertes Wasser, Wasser in dem gebadet wird, aber auch damit gewaschene Nahrung wie rohe oder ungenügend gekochte Lebensmittel wie Salat, getrocknete Tomaten oder Schalotten oder den Verzehr von Meeresfrüchten, Fisch, Kaviar kann man sich anstecken. Im Grunde kann das Virus über jedes Lebensmittel, das von einem Infizierten angefasst wurde, übertragen werden, wie beispielsweise Brot, Gebäck, Wurstwaren und Datteln.

 

Spezifische Therapiemöglichkeiten gibt es keine. Aus diesem Grund wird, wenngleich die Erkrankung meist gutartig verläuft, zu einer Impfung geraten, wenn man in Gebiete reist, in denen die Hepatitis A verbreitet ist. Bei Gesunden beträgt der Impfschutz 99 Prozent und hält in der Regel mehr als 30 Jahre an.

 

Hepatitis B – Gefahr des chronischen Verlaufs

 

Auch das Hepatitis B-Virus ist weltweit verbreitet. In Europa sind etwa 1,6 Prozent der Bevölkerung chronisch infiziert. Was nach wenig klingt, bedeutet bei einer Bevölkerungszahl von rund 700 Mio. Menschen in Europa etwa 11,2 Mio. Hepatitis B-Infizierte. In Deutschland sind es etwa 500.000. In Afrika und Südostasien liegt der Anteil der Infizierten bei über 6 Prozent.

 

Eine Verbreitung des Virus erfolgt über Körperflüssigkeiten wie Blut aber auch Blutprodukte sowie vor allem über Sexualkontakte. Die infektiöse Dosis ist sehr gering. So kann ein Tropfen infektiösen Blutes in einer Badewanne jeden einzelnen Tropfen der Mischung infektiös machen.

 

Durch den Kontakt zu vielen Patienten, hat besonders medizinisches Personal ein erhöhtes Ansteckungsrisiko. Aber auch über Bagatellverletzungen wie durch gemeinsam benutzte Nagelscherchen, Nagelfeilen, Haarschneidescheren, Rasierklingen und -messer sowie Handtücher kann das Virus übertragen werden. Doch auch durch die Dialyse, die Behandlung mit unsterilem medizinischem Gerät bei einer Behandlung im Ausland oder beim Stechen von Tattoos und beim Ohrlochstechen kann eine Ansteckung erfolgen.

 

Die Infektion mit dem Hepatitis B-Virus kann akut verlaufen und innerhalb weniger Monate ausheilen. Wird die Infektion jedoch chronisch, bleibt sie besonders in den Leberzellen weiterhin aktiv und schädigt das Organ. Betroffene können eine Leberzirrhose oder Leberzellkrebs entwickeln. Stecken sich ansonsten gesunde Erwachsene an, wird die Infektion bei 5-10% Prozent chronisch. Bei Kindern hingegen sind die Raten deutlich höher. Erfolgt die Ansteckung im ersten Lebensjahr, wird die Erkrankung bei 80-90 % der Säuglinge chronisch, bei Kindern zwischen 1 und 6 Jahren sind es 30-50 %.

 

Die Anzeichen einer Hepatitis B-Erkrankung sind zu Beginn ähnlich denen der Hepatitis A. Unspezifische Krankheitszeichen wie Appetitlosigkeit, Unwohlsein, Übelkeit, Erbrechen und Fieber können auftreten. Die akute Phase verläuft bei bis zu jedem Zweiten Infizierten mit nur sehr geringen oder keinen klinischen Symptomen. Das ist auch der Grund, warum eine Hepatitis B-Infektion oft lange Zeit übersehen und häufig nur durch Zufall festgestellt wird. Selbst wenn ein Arzt bei einer Blutuntersuchung erhöhte Leberwerte feststellt, ist das kein eindeutiger Hinweis auf eine Hepatitis B-Erkrankung. Auch die Einnahme bestimmter Medikamente (z. B. Psychopharmaka) oder der übermäßige Konsum von Alkohol kann die Leberwerte beeinflussen. Man muss gezielt nach den Antikörpern suchen, um eine Hepatitis B-Infektion sicher feststellen zu können. Man geht davon aus, dass die meisten Betroffenen nichts der Infektion wissen.

 

Ist eine chronische Hepatitis B-Infektion festgestellt, kann eine Behandlung begonnen werden. Zwar ist die Infektion nicht heilbar, aber mit Medikamenten kann sie gut kontrolliert werden.

 

Gegen die Hepatitis B gibt es eine sichere und wirksame Impfung, die nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission seit 1995 bereits Säuglingen im Alter von 2 Monaten das erste Mal verabreicht wird. Die Hepatitis B-Impfung wird in einem 6fach Kombinationsimpfstoff zusammen mit den Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Hib und Polio (Kinderlähmung) gegeben. So wird sichergestellt, dass schon Babys geschützt werden. Erfolgt die Impfung nicht schon bei den Kleinsten, kann sie bis zum vollendeten 18. Lebensjahr auf Kosten der Krankenkasse nachgeholt werden. Die Impfung ist in Deutschland für alle Säuglinge, Kindern und Jugendlichen empfohlen und auch für alle Erwachsenen sinnvoll. Wird sie aus Anlass einer Reise verabreicht, wird sie von vielen Krankenkassen erstattet.

 

Übernimmt auch Ihre Krankenkasse die Kosten der Impfung? Finden Sie es hier heraus.

 

 

 

Steckbrief der Hepatitis A und Hepatitis B

 

 

Hepatitis A

Hepatitis B

Familie

Picornaviren

Hepadnaviren

Erbinformation

RNA

DNA

Übertragung

fäkal-oral oder Schmierinfektion

Blut, Blutprodukte, Samenflüssigkeit, Scheidensekret, Speichel, Tränenflüssigkeit

Infektionsweg

Kontaminierte Lebensmittel, Wasser oder Gebrauchsgegenstände, enge Personenkontakte

Sexuelle Kontakte, Kontakt mit infiziertem Blut, z. B. bei medizinischer Behandlung mit unsterilem medizinischem Gerät Pediküre, Maniküre, unhygienischem Tätowieren oder bei der Geburt

Inkubationszeit

15-50 Tage (meist 25-30 Tage)

7-28 Wochen (45-180 Tage)

Symptome

Zu Beginn: Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, manchmal Fieber
Anschließend: Gelbfärbung der Augen, Schleimhäute und Haut, heller Stuhl, dunkler Urin

In der akuten Phase: Appetitlosigkeit, Gelenkschmerzen, Unwohlsein, Übelkeit, Erbrechen, Fieber

Nach 3-10 Tagen: Gelbfärbung der Augen und Haut, dunkler Urin

Chronische Phase: Wenig Symptome


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