Menu

Impfungen: Das sollten Rheuma-Patienten wissen

Mann mit Knieschmerzen

Etwa 1,5 Millionen erwachsene Menschen und etwa 20.000 Kinder in Deutschland, das sind zwei Prozent der erwachsenen Bevölkerung, leiden allein unter entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Daneben gibt es zahlreiche weitere Erkrankungen und Betroffene, die unter dem Begriff „Rheuma“ zusammengefasst werden. Die Rheuma-Liga schätzt, dass es bis zu 20 Millionen Menschen sein könnten.

 

 

Bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen (u.a. rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew, Psoriasis-Arthritis, Kollagenosen wie z. B. Lupus erythematodes) ist das Immunsystem aufgrund fehlerhafter Vorgänge damit beschäftigt, gegen körpereigene Strukturen zu arbeiten. Das führt zu Entzündungsherden an verschiedenen Stellen im Körper. Aus diesem Grund hat das Immunsystem nicht ausreichend Kapazitäten, sich gegen Krankheitserreger zu wehren. Zumindest ist das eine einleuchtende Erklärung dafür, dass Menschen mit Rheuma doppelt so häufig an durch Viren oder Bakterien verursachten Infekten erkranken wie andere Menschen. Zudem beeinträchtigen einige Therapien (z. B. Glukokortikoide, Basistherapeutika, Biologika) das Immunsystem, wodurch die Anfälligkeit für Infektionen erhöht wird.

Impfschutz für Rheumatiker sehr wichtig

Aus diesem Grund sind Impfungen für Rheuma-Patienten von besonderer Bedeutung. Doch gibt es Einschränkungen für diese Personengruppe? Die ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Betroffenen, alle für die Altersgruppe empfohlenen Impfungen zu bekommen. Das gilt sowohl für ältere Patienten als auch für jüngere. Auch Kinder und Jugendliche, die unter rheumatischen Erkrankungen leiden, sollten möglichst alle von der STIKO empfohlenen Impfungen bekommen. Das führt nicht nur zu weniger Erkrankungen, sondern kann bei Betroffenen auch die Angst vor schweren Infektionen verringern – und so die Lebensqualität steigern.

Welche Impfungen sind wichtig?

Grundsätzlich sollten alle empfohlenen Impfungen, für die ein Totimpfstoff zur Verfügung steht, durchgeführt werden. Totimpfstoffe enthalten Bruchstücke abgetöteter Erreger. Das Immunsystem erhält ausreichend Material, um spezifische Antikörper zu bilden, aber die abgetöteten Erreger bzw. Teile von Erregern können keine Erkrankung auslösen.

Gegen folgende Krankheiten bzw. Erreger werden Totimpfstoffe eingesetzt:

  • Pneumokokken
  • Grippe (Influenza)
  • Hepatitis A
  • Hepatitis B
  • Herpes zoster (Gürtelrose)
  • Humane Papillomviren
  • Tetanus
  • Diphtherie
  • Pertussis
  • Hib (Haemophilus influenzae Typ B)
  • Polio
  • Meningokokken
  • Cholera

Rheuma-Patienten haben ein erhöhtes Risiko für eine Pneumokokken-Infektion und deren Komplikationen (Lungenentzündung, Blutvergiftung, Hirnhautentzündung). Auch eine Grippe-Erkrankung kann bei Immunsupprimierten besonders schwer verlaufen. Durch das unterdrückte Immunsystem sind Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen häufiger als andere Menschen im selben Alter von einer Gürtelrose (Herpes zoster) betroffen. Die Impfung gegen
Hepatitis B ist für diese Patientengruppe ebenfalls sehr wichtig.

Vorsicht bei Lebendimpfstoffen

Laut Einschätzung der Experten können Totimpfstoffe bei Patienten mit rheumatischen Erkrankungen meist ohne Einschränkungen eingesetzt werden. Vorsicht ist hingegen beim Einsatz von Lebendimpfstoffen geboten. Gegen einige Krankheiten kann nur ein wirksamer und langanhaltender Impfschutz aufgebaut werden, wenn der Körper die unterschiedlichen Phasen der Virusvermehrung im Körper durchlebt. Aus diesem Grund gibt es Impfungen mit abgeschwächten, aber vermehrungsfähigen Erregern. Ein gesundes Immunsystem kommt mit einer Infektion mit Impfviren gut zurecht. Bei abwehrgeschwächten Menschen, wie beispielsweise bei Rheuma-Patienten oder Personen mit anderen Autoimmunerkrankungen, ist die Gefahr größer, dass es zu einer Infektion kommen kann.

Gegen folgende Krankheiten werden Lebendimpfstoffe eingesetzt:

  • Masern
  • Mumps
  • Röteln
  • Windpocken
  • Rotaviren
  • Typhus
  • Gelbfieber

Die Impfungen gegen die bei uns verbreiteten Erkrankungen (Masern, Mumps, Röteln, Windpocken, Rotaviren) werden entsprechend der Empfehlungen der STIKO bereits im frühen Kindesalter durchgeführt. Entzündlich-rheumatische Erkrankungen treten in aller Regel erst später im Leben auf, so dass durch die Impfungen bereits ein ausreichender Impfschutz aufgebaut wurde. Unter immunsuppressiver Therapie wird eine Impfung mit Lebendimpfstoffen nicht empfohlen. Wird eine spezielle Lebendimpfung dringend benötigt, so muss der Arzt eine Nutzen-/Risikoabwägung durchführen und das geeignete Vorgehen für diesen Fall festlegen. Unter Umständen muss das Immunsuppressivum für einen gewissen Zeitraum abgesetzt werden.

Impfen vor Therapiebeginn

Da die Therapie mit einigen Medikamenten das Immunsystem sehr stark einschränkt, könnte es passieren, dass die für den Schutz notwendige Antikörperbildung nicht in ausreichender Menge stattfindet. Dann wäre die Impfung von geringer Wirkung und der Patient hätte weiterhin nur begrenzten Impfschutz. Aus diesem Grund sollte darauf geachtet werden, dass notwendige Impfungen vor Beginn der Behandlung mit immunsupprimierenden Medikamenten durchgeführt werden. Das gilt insbesondere bei einer Therapie mit bestimmten Biologika.

Impfstatus regelmäßig prüfen

Für Menschen mit Rheuma ist ein umfassender Impfschutz unverzichtbar. Aus diesem Grund sollten Betroffene regelmäßig mit dem Haus- oder Facharzt den Impfstatus prüfen und auf vollständigen Schutz achten.

Dazu gehört auch, dass nahe Familienangehörige oder andere Mitglieder des Haushaltes einen umfassenden Impfschutz besitzen. So kann quasi ein Schutzschild um den Rheuma-Patienten aufgebaut werden.


NP-DE-VX-WCNT-200003, Feb20