Interview mit Dr. Frühwein: „Gegen Keuchhusten schützt eine Impfung“

Keuchhusten kennt keine Altersgrenze und betrifft vor allem Erwachsene: In Deutschland gibt es fast 13.000 Fälle, davon zwei Drittel bei Erwachsenen. Rund ein Drittel aller Keuchhusten-Fälle tritt bei Menschen über 50 Jahren auf.

Wir wollten mehr zu diesem Thema wissen: Wer ist betroffen? Woran erkenne ich Keuchhusten? Welche Auswirkungen kann diese Krankheit haben? Wir sprachen hierüber mit dem Facharzt für Allgemeinmedizin Dr. med Markus Frühwein, der erst kürzlich in einem Interview in der Sendung „Die Gesunde Stunde“ des Senders Klassik Radio über das Thema Keuchhusten aufklärte.

Dr. Frühwein, woran erkenne ich Keuchhusten?
Die Erkrankung äußert sich nicht unbedingt in einem typischen keuchenden Husten und wird daher nicht gleich als Keuchhusten wahrgenommen, insbesondere da Keuchhusten fälschlicher-weise als Kinderkrankheit gilt. Keuchhusten-Erreger ist ein Bakterium und kein Virus, was die Krankheit beispielsweise von einer Corona-Erkrankung, oder von der Influenza unterscheidet. Für den Patienten sind häufig die Begleitbeschwerden durch die Hustensymptomatik am eindrücklichsten. Da kann es bei einer schweren Hustenattacke insbesondere bei älteren Patienten auch mal zum Rippenbruch kommen. Jedes Jahr behandle ich Erwachsene mit Keuchhusten in meiner Praxis. Die Krankheit ist hochinfektiös, stärker als die Grippe und tatsächlich ähnlich wie etwa die Masern. Ein Erkrankter kann bis zu 17 weitere Menschen anstecken.

Wie langwierig kann diese Krankheit sein?
Keuchhusten wird manchmal auch 100-Tage Husten genannt und in der Regel zieht sich die Erkrankung tatsächlich über zwei bis drei Monate. Bei älteren Patienten, die als Folge der Keuchhusten-Erkrankung beispielsweise an einer Lungenentzündung erkranken, habe ich aber auch schon sehr viel langwierigere Genesungsprozesse erlebt. Eine solche Superinfektion bei einem bestehenden Infekt schwächt den Körper. Vorbeugung – sprich Impfen – ist daher sehr wichtig. Denn auch eine einmal durchgemachte Erkrankung verleiht leider keinen lebenslangen Schutz. Aber auch die Impfung schützt nicht lebenslang, weswegen eine Auffrischung wichtig ist. Im Gegensatz zu Corona haben wir für Keuchhusten eine gut funktionierende Impfung. Das sollten wir nutzen. Ich empfehle, regelmäßig den eigenen Impfpass zu checken.

Warum ist das Thema Keuchhusten für ältere Menschen so wichtig?
Da gibt es gleich mehrere Gründe. Zum einen natürlich, wenn sie Kontakt zu noch ungeimpften Säuglingen haben. Hier schützt die Impfung der Erwachsenen vor allem Säuglinge, die noch nicht geimpft werden können. Zum anderen aber auch im Eigeninteresse. Keuchhusten ist eine sehr langwierige Erkrankung und gerade bei älteren Menschen können schwere Komplikationen wie Lungenentzündungen auftreten, und Rippenbrüche oder Inkontinenz Folge des schweren Hustens sein.

Wer ist besonders gefährdet?
Das Immunsystem wird mit dem Alter schwächer, weswegen ältere Patienten auch anfälliger für Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Keuchhusten werden. Wer ohnehin schon Probleme mit Atemwegserkrankungen hat – wie beispielsweise Menschen mit Asthma oder chronisch-obstruktiver Bronchitis (COPD) – ist natürlich besonders anfällig beim Thema Husten. Auch Rauchen kann sich sehr ungünstig auswirken. Patienten mit Vorerkrankungen haben so ein erhöhtes Risiko für Co-Infektionen, wie zum Beispiel Influenza oder bakterielle Erkrankungen. Wenn die Schleimhäute durch Erreger schon angegriffen sind, setzten sich andere Erreger leichter obendrauf – wie beispielsweise Corona-Viren.

 

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