J-Jugendgesundheitsuntersuchungen – oft vergessen, aber wichtig

Gruppe Teenager

Die U-Untersuchungen, die bei Kindern ab der Geburt bis zum sechsten Lebensjahr durchgeführt und deren Ergebnisse in das gelbe Untersuchungsheft eingetragen werden, sind allen Eltern bekannt und werden auch von den meisten wahrgenommen. Bei den ersten U-Untersuchungen liegt die Quote bei weit über 90 % und sinkt bis zur U9 im 6. Lebensjahr auf etwa 86 %. Die J-Untersuchungen, die im Jugendalter anstehen, werden hingegen viel weniger in Anspruch genommen. Nur etwa 40% der Jugendlichen zwischen dem 11. und 15. Lebensjahr gehen zur J1. Dabei erfüllt gerade diese Untersuchung eine wichtige Funktion.

Die Kinder stehen an der Schwelle zur Pubertät, der Körper verändert sich, die meisten Mädchen bekommen in diesem Alter zum ersten Mal ihre Regel. Seelisch betrachtet haben Kinder in diesem Zeitraum auch einiges zu leisten. Die Anforderungen in der Schule steigen, sie erfahren, dass die während des Kindesalters als allwissend empfundenen Eltern auch Mängel und Schwächen haben, Konflikte und Auseinandersetzungen mit den Eltern und Geschwistern nehmen zu. Auch im Freundeskreis, der für Jugendliche immer wichtiger wird, kann es zu Stress kommen, der die Jugendlichen belastet. Untersuchungen zeigen, dass gerade die Vielzahl alltäglicher Stressoren zu Belastungen im Jugendalter führen kann.

Jugend & Pubertät – Zeit des Umbruchs, auch in Gesundheitsfragen

Damit der Spruch, „kleine Kinder, kleine Sorgen – große Kinder, große Sorgen“ in Blick auf die Gesundheit nicht gilt, gibt es die J1-Untersuchung. Sie dient dazu, Erkrankungen und Entwicklungsstörungen, aber auch soziale und psychische Probleme bei Jugendlichen frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls zu behandeln. Typischerweise wird die J1 beim Kinder- und Jugendarzt durchgeführt, doch auch Allgemeinärzte können die Untersuchung machen. Im Verlauf des Jugendalters können Fragen zur Gesundheit auftreten, für die immer häufiger ein Facharzt anstelle des Kinder- und Jugendarztes aufgesucht wird. Besuche beim Augenarzt, Orthopäden, Hautarzt und nicht zuletzt beim Frauenarzt nehmen zu. Einen Überblick über alle gesundheitlichen Aspekte, bietet die J1, die aus diesem Grund eine besondere Rolle einnimmt.

Jetzt Impfungen auffrischen oder nachholen

Der Arzt, der die J1 durchführt, achtet auch darauf, ob der Impfstatus vollständig ist. Zwischen 9-14 Jahren sollte der Schutz gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Polio aufgefrischt werden. Dafür steht eine Kombinationsimpfung zur Verfügung, so dass ein einziger Pieks ausreicht. Die Auffrischung sorgt dafür, dass die Kinder und Jugendlichen bis ins Erwachsenenalter hinein vor diesen Erkrankungen geschützt sind. Zwischen 9-14 Jahren wird auch die HPV-Impfung gegen krebsauslösende Humane Papillomviren von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen. Alle Mädchen und Jungen sollten diese Impfung zweimal erhalten.

Sollten weitere wichtige Impfungen im Kindesalter nicht erfolgt sein, so ist das Jugendalter die Zeit, in der diese Immunisierungen nachgeholt werden sollten. Infektionskrankheiten wie die Masern, Mumps oder Windpocken verlaufen im Jugend- und Erwachsenenalter häufig schwerer und mit mehr Komplikationen als bei Kindern. Sollten, diese Krankheiten nicht als Kind durchgemacht worden sein, sollte die Impfung nun nachgeholt werden, um die Jugendlichen bis ins Erwachsenenalter hinein davor zu schützen. Eine Rötelnerkrankung verläuft meist mild, stellt jedoch besonders in der Schwangerschaft ein Risiko für das Ungeborene dar. Erkrankt die Mutter in den ersten Monaten der Schwangerschaft, ist die Gefahr für eine Fehlgeburt oder Fehlbildungen beim Baby sehr hoch. Aus diesem Grund sollten alle Mädchen ab dem gebärfähigen Alter einen Immunschutz gegen Röteln haben – entweder durch die Erkrankung oder die Impfung. Die Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken gibt es in Form einer Kombinationsimpfung, so dass für eine vollständige Grundimmunisierung nur zwei Injektionen im Abstand von vier Monaten nötig sind.

J2 – Früherkennung chronischer Krankheiten

Die J2 ist die letzte Vorsorgeuntersuchung vor der Volljährigkeit. Sie ist für Jugendliche im Alter von 16 bis 17 Jahren gedacht. Bei der J2 wird Wert darauf gelegt, Pubertäts- und Sexualitätsstörungen, Haltungsstörungen, sowie Fehlbildungen der Schilddrüse (z. B. Kropfbildung) oder Anzeichen von Diabetes zu erkennen und zu behandeln. Der Jugend- oder Allgemeinarzt berät den Jugendlichen bei Fragen des Verhaltens, der Sozialisation, der Familie und der Sexualität. Aber auch Fragen zur Berufswahl können besprochen werden, insbesondere dann, wenn Allergien oder andere gesundheitliche Einschränkungen bestehen, die in bestimmten Berufen von Bedeutung sind. Der Jugendliche kann im Rahmen der Vorsorge, auch ohne Eltern ein vertrauensvolles Gespräch mit seinem Jugend- oder Allgemeinarzt führen. Die J2 ist keine gesetzlich vorgeschriebene Vorsorgeuntersuchung und wird daher nicht von allen Krankenkassen übernommen. Fragen Sie am besten vorher bei Ihrer Krankenkasse nach.


NP-DE-VX-WCNT-200048 , Okt20