Nach Krankheit: Wann darf das Kind wieder in die Kita oder Schule?

Kind mit Maske trägt Schulranzen

Krank wird man häufig ziemlich plötzlich. Das Gesundwerden hingegen kann sich hinziehen. In Kindertagesstätten, Kindergärten und Schulen kommen Kinder und Jugendliche in engen Kontakt mit anderen Kindern und Betreuern oder Lehrern. Das begünstigt die Verbreitung von ansteckenden Krankheiten. Um das möglichst gut zu verhindern, regelt das Infektionsschutzgesetz, bei welchen Krankheiten besondere Vorkehrungen zu treffen sind und wie sie jeweils aussehen.

Eine Auswahl an häufigen Krankheiten im Kindesalter und die jeweiligen Vorgaben, stellen wir hier vor.

Durchfallerkrankung durch Rotaviren

Erreger und Krankheit: Rotaviren sind die häufigste Ursache von Darminfektionen bei Kindern, die durch Viren verursacht werden. Typisch sind starke Durchfälle, Erbrechen und Fieber. In den westlichen Industrieländern erkranken am häufigsten Säuglinge und Kinder im Alter von 6 Monaten bis zu 2 Jahren, weil noch keine ausreichende Immunität besteht. Bis zum Alter von 3 Jahren haben 90% aller Kinder eine Rotavirusinfektion durchgemacht, bis zum 5. Lebensjahr haben sich fast alle Kinder mit Rotaviren infiziert. Je jünger ein Kind bei der ersten Infektion ist, desto größer ist die Gefahr, dass das Kind sehr viel Flüssigkeit verliert. Krankenhauseinweisungen sind häufig und sogar lebensbedrohliche Zustände sind möglich.

Ansteckungsdauer: Während der akuten Krankheitsphase wird das Virus ausgeschieden. Diese dauert meist nicht länger als 8 Tage. In dieser Zeit ist umfassende Händehygiene (nach dem Toilettengang, dem Wechseln der Windeln oder vor dem Zubereiten von Mahlzeiten) sowie die Desinfektion von Gegenständen und Flächen wichtig, um eine Weiterverbreitung des Virus zu unterbinden.

Wann wieder in Kita, Kiga, Schule: In eine Gemeinschaftseinrichtung dürfen Kinder unter 6 Jahren erst 48 Stunden nach dem Abklingen der Symptome, oder wenn der Kinderarzt es genehmigt.

Vorbeugung: Um besonders die Kleinsten, die von einer Brechdurchfallerkrankung besonders bedroht sind, so gut wie möglich zu schützen, gibt es eine Impfung für Säuglinge. Diese muss spätestens bis zur 32. Lebenswoche erfolgt sein.

Keuchhusten

Erreger und Krankheit: Keuchhusten (Pertussis) ist eine hochansteckende, bakterielle Infektion der oberen Atemwege. Typische Symptome der Atemwegserkrankung sind krampfartige, schmerzhafte Hustenanfälle, die stoßweise erfolgen und mehrere Wochen andauern. Verursacht wird Keuchhusten durch das Bakterium Bordetella pertussis, das sich nach einer Infektion in den Schleimhäuten der menschlichen Atemwege vermehrt. Dort setzt es Giftstoffe frei und schädigt das Gewebe. Die Ansteckung erfolgt von Mensch zu Mensch über Tröpfcheninfektion während des Hustens, Niesens oder Sprechens.

An Keuchhusten kann man in jedem Alter erkranken. Trifft es Kinder, ist die Symptomatik häufig sehr ausgeprägt mit schweren Hustenanfällen. Bei Erwachsenen sind die Symptome häufig nicht so eindeutig, so dass die Infektion häufig übersehen wird. Dann können ungeschützten Personen angesteckt werden. 

Ansteckungsdauer: Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch einer Infektionskrankheit, dauert bei Keuchhusten meist 9 bis 10 Tage, in seltenen Fällen jedoch bis zu 20 Tage. Bereits bevor die ersten Symptome auftreten, besteht eine hohe Ansteckungsgefahr für ungeimpfte Personen. Die Ansteckungsphase beginnt bereits vor dem Eintritt der für Keuchhusten typischen Hustenanfälle. Unbehandelt erreicht die Ansteckungsfähigkeit in den ersten beiden Krankheitswochen ihren Höhepunkt und kann ab dem Zeitpunkt der Hustenattacken bis zu weiteren 3 Wochen anhalten. Bei Säuglingen kann die Ansteckungsfähigkeit sogar bis zu 6 Wochen bestehen.
Wann wieder in Kita, Kiga, Schule: Eine Erkrankung wird mit einem Antibiotikum behandelt. In der Regel 5 Tage nach Beginn einer wirksamen Behandlung mit einem Antibiotikum ist das erkrankte Kind nicht mehr ansteckend und kann wieder eine Gemeinschaftseinrichtung besuchen. Wird kein Antibiotikum gegeben, darf das Kind erst 21 Tage nach Beginn des Hustens wieder in die Kita oder Schule.

Vorbeugung: Eine Impfung schützt vor der Erkrankung. Kinder sollten laut Empfehlung der STIKO bereits als Säuglinge dreimal geimpft werden, um einen guten Schutz aufzubauen. Ist das nicht erfolgt, sollte die Impfung spätestens mit Eintritt in die Grundschule nachgeholt werden. Auffrischimpfungen sind im Alter von 5-6 Jahren, 9-16 Jahren und im Erwachsenenalter zusammen mit der Tetanus- und Diphtherieimpfung empfohlen.

Geimpfte Personen erkranken nicht oder nur schwach an Keuchhusten. Allerdings können sie dennoch vorübergehend mit den Erregern besiedelt sein und ungeschützte Personen anstecken. Das bedeutet, dass auch geimpfte enge Kontaktpersonen gegebenenfalls vorsichtshalber eine so genannte Chemoprophylaxe einnehmen sollten, wenn sich im Umfeld ungeimpfte oder nicht vollständig geimpfte Personen (z. B. Säuglinge, Schwangere) befinden. Über das Vorgehen entscheidet der Arzt.

Windpocken

Erreger und Krankheit: Windpocken werden beim ersten Kontakt mit dem Varizella-Zoster-Virus ausgelöst. Die Krankheit ist hochansteckend. Praktisch jeder Mensch infiziert sich im Laufe seines Lebens mit Windpocken, meist bereits im Kindesalter. Häufig verläuft die Erkrankung abgesehen von dem unangenehm juckenden Hautausschlag unauffällig, doch auch mehr oder weniger schwere Komplikationen sind möglich.

Ansteckungsdauer: Bereits 1 bis 2 Tage vor dem Hautausschlag und 5 bis 7 Tage nach dem letzten Auftreten der Hautveränderungen ist man für andere ansteckend.

Wann wieder in Kita, Kiga, Schule: Eine Woche nach Beginn einer unkomplizierten Erkrankung bzw. wenn alle Bläschen vollständig verkrustet sind, ist die Gefahr einer Ansteckung vorüber. Dann können Kinder wieder eine Gemeinschaftseinrichtung besuchen.

Zu beachten sind auch die direkten Kontaktpersonen (z. B. Geschwister). Unter Umständen müssen können auch sie die jeweilige Gemeinschaftseinrichtung nicht besuchen. Das ist der Fall, wenn keine Immunität vorliegt, also wenn das Kind die Windpocken noch nicht hatte oder nicht zweimal gegen Windpocken geimpft wurde. In einem solchen Fall muss das Geschwisterkind für die Dauer der Inkubationszeit, also die Zeit, die von einer Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit vergeht, zu Hause bleiben. Im Mittel beträgt die Inkubationszeit 16 Tage (8-28 Tage).

Vorbeugung: Gegen Windpocken gibt es eine Impfung, die von der STIKO für Kinder empfohlen wird. Die erste Impfung kann ab einem Alter von 11 Monaten erfolgen. Die zweite Impfung sollte im Abstand von 6 Monaten zur ersten Impfung durchgeführt werden.

„Corona“, SARS-CoV2 und Covid-19

Erreger und Krankheit: Das neuartige Coronavirus SARS-CoV2 verursacht die Krankheit Covid-19. Typisch für eine Infektion sind Symptome wie Husten, Fieber, Schnupfen, Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns. Doch auch weitere Krankheitszeichen wurden beobachtet, während die häufigsten Symptome nicht immer auftreten müssen. Aus diesem Grund ist eine Diagnose einer Infektion allein anhand des klinischen Bildes nicht möglich. Dazu braucht es einen Nachweis des Erregers aus einem Nasen- und/oder Rachenabstrich.

Das SARS-CoV2 wird über Tröpfcheninfektion und Aerosole in der Atemluft übertragen. Das Tragen von geeignetem und gut sitzendem Mund-Nase-Schutz verringert das Ansteckungsrisiko.

Ansteckungsdauer: Die mittlere Inkubationszeit beträgt 5-6 Tage. Maximal wurden 14 Tage beschrieben. Die infektiöse Periode dauert etwa 12 Tage. Sie beginnt bei einem Krankheitsverlauf mit Symptomen 2 Tage vor dem Auftreten dieser, bei einem Verlauf ohne Symptome (asymptomatischer Verlauf) am Tag 3 nach dem Kontakt zu einer ansteckenden Person.

Wann wieder in Kita, Kiga, Schule: Wurde eine Infektion mit dem Coronavirus mittels PCR-Test im Nasen-Rachen-Abstrich nachgewiesen, sind folgende Zeiträume bis zum Besuch einer Gemeinschaftseinrichtung laut Empfehlung des Robert-Koch-Instituts einzuhalten:

  • Bei symptomatischem (leichten) Verlauf: Frühestens 10 Tage nach Beginn der Symptome und mindestens 48 Stunden nach dem Abklingen der letzten Symptome. Darüber entscheidet ein Arzt.
  • Bei asymptomatischem Verlauf: Frühestens 10 Tage nach dem ersten Nachweis des Erregers.

In der Regel spricht das zuständige Gesundheitsamt bei einem positiven Coronatest eine 14-tägige Quarantäne aus. Nach Ablauf dieser 14 Tage inklusive 48-stündiger Symptomfreiheit darf dürfen Kita oder Schule wieder besucht werden.

Bei Kontaktpersonen von positiv Getesteten wird je nach Art des Kontakts unterschieden. Kontaktpersonen 1. Grades gibt es häufig in Kitas oder Schulen, wenn sich Personen länger als 30 Minuten in einem Raum mit hoher Konzentration zusammen mit einem Infizierten aufgehalten haben. In diesem Fall ist eine 14-tägige Quarantäne möglich. Darüber entscheidet das Gesundheitsamt.

Vorbeugung: Eine präventive Impfung für Erwachsene und Kinder steht derzeit (Stand Oktober 2020) in Deutschland noch nicht zur Verfügung. Aus diesem Grund gelten als Vorbeugung die so genannten AHA-Regeln:

  • Abstand: Einhaltung eines Abstands von mindestens 1,5 Metern zu anderen Personen.
  • Hygiene: Regelmäßiges Händewaschen für mindestens 20 Sekunden, Händedesinfektion, Beachtung der Husten- und Niesetikette.
  • Alltagsmasken: Tragen von Mund-Nasen-Schutz immer dann, wenn ausreichender Abstand nicht gewährleistet werden kann.

Ergänzt werden diese Regeln durch die Verwendung der Corona-Warn-App und regelmäßiges Lüften.

Kopfläuse

Erreger und Krankheit: Kopfläuse sind lästig, aber ungefährlich. Sie leben nur auf dem menschlichen Kopf, legen ihre Eier an den Haarwurzeln ab. Sie stechen in die Kopfhaut und saugen Blut, was starken Juckreiz zur Folge haben kann (aber nicht haben muss).

Ansteckungsdauer: Kopfläuse werden von Kopf zu Kopf übertragen. So lange eine Person Läuse hat, können diese bei engem Kontakt und wenn Haare aneinander kommen, auf den Kopf der nächsten Person weiterkrabbeln.

Wann wieder in Kita, Kiga, Schule: Das Kind kann wieder in eine Gemeinschaftseinrichtung, wenn ein geeignetes, zugelassenes Kopfläusemittel sachgerecht angewendet und die Haare mit einem Läusekamm ausgekämmt wurden. Zugelassene Mittel gegen Kopfläuse gibt es auf Rezept vom Kinderarzt (bis zum Alter von 12 Jahren) oder auch rezeptfrei in der Apotheke. Die Anwendung muss genau nach Gebrauchsanweisung erfolgen. An Tag 8, 9 oder 10 nach der ersten Anwendung muss zwingend eine zweite Behandlung mit Läusemittel erfolgen. Nur so können die in der Zwischenzeit geschlüpften Larven ebenfalls abgetötet werden. Erfolgt die zweite Behandlung nicht, vermehren sich die Läuse erneut.

Vorbeugung: Eine Vorbeugung ist praktisch nicht möglich. Irgendwann bekommen die meisten Kinder einmal Kopfläuse, einfach deshalb, weil sie mit anderen Kindern spielen und so engen Kontakt zueinander haben. Die beste Vorbeugung besteht in der frühzeitigen Erkennung. Regelmäßige Kontrolle der Haare bei auffälligem Kratzen am Kopf und gegebenenfalls eine schnelle und konsequente Behandlung sind am wirksamsten.

NP-DE-VX-WCNT-200057, Dez20