Masern Impfung: Ab März 2020 endlich Schutz für alle

Noch immer gibt es in Deutschland jährlich zwischen einigen hundert und mehreren tausend Masernfälle, und das, obwohl es sichere, gut verträgliche und wirksame Impfstoffe gibt. Masernerkrankungen sind auch für Todesfälle verantwortlich. Stärker betroffen sind weniger entwickelte Länder, doch auch in Deutschland sterben Kinder und Erwachsene an den Folgen einer Masernerkrankung.

Damit zukünftig alle Menschen, besonders diejenigen, die selbst nicht geimpft werden können (Kinder unter einem Jahr und Personen mit bestimmten Krankheiten), vor Masern geschützt werden und sich dadurch natürlich auf die Erkrankungszahlen in Deutschland weiter verringern, wurde von der Bundesregierung das Masernschutzgesetz beschlossen.

Wer muss gegen Masern geimpft sein?

Das Masernschutzgesetz, das in den Medien auch als „Masern Impfpflicht“ bezeichnet wird, besagt, dass

  • alle Kinder, die eine Kindertagesstätte besuchen (KiTa, Krippe, Tagesmutter, Kindergarten)
  • alle Kinder, die eine Schule besuchen
  • alle Betreuerinnen und Betreuer sowie alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kindertagesstätten
  • alle Tagesmütter
  • alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Schulen sowie alle Lehrerinnen und Lehrer
  • alle Bewohnerinnen und Bewohner von Flüchtlingsunterkünften
  • alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Flüchtlingsunterkünften
  • alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Gesundheitseinrichtungen (z.B. Arztpraxen, Krankenhäusern)

die nach 1970 geboren wurden zweimal gegen Masern geimpft sein müssen.

Stichtag: 01. März 2020

Ab dem 1. März 2020 müssen die Eltern, bevor das Kind in einer Kindertagesstätte oder Schule aufgenommen werden kann, anhand des Impfpasses nachweisen, dass das Kind die notwendigen Impfungen erhalten hat. Hat eine Kind die Masern bereits gehabt, so wird statt dem Impfpass ein Attest vom Kinderarzt als Nachweis vorgelegt. Für Kinder, die am 01.03.2020 schon eine Kindertagesstätte oder Schule besuchen, muss bis zum 31. Juli 2021 der Nachweis über die beiden durchgeführten Impfungen oder ein Attest über die durchgemachte Krankheit vorgelegt werden.

Wenn ein Kind nicht geimpft ist

Wird ein Kind vor dem Eintritt in eine Kindertagesstätte nicht zweimal, bzw. dem Alter entsprechend, gegen Masern geimpft, so darf es nicht in die Kindertageseinrichtung aufgenommen werden. Kinder, die bereits in der KiTa sind und deren Eltern die Impfung ablehnen, können vom Besuch der Kindertagesstätte ausgeschlossen werden. Da in Deutschland eine allgemeine Schulpflicht herrscht, wird ungeimpften Kindern nicht der Schulbesuch untersagt. Doch die Einrichtung, z.B. die Schule oder die Kindertagesstätte, ist dazu verpflichtet, Eltern, die ihre Kinder nicht ausreichend gegen Masern impfen lassen, dem Gesundheitsamt zu melden. Mit dem Nicht-Impfen des Kindes begehen Eltern eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld von bis zu 2.500 € belegt wird. Meldet eine Kindertagesstätte oder Schule die Verstöße nicht an das Gesundheitsamt, und wird bekannt, dass die Einrichtung ungeimpfte Kinder betreut, so kann die Kindertagesseinrichtung bzw. die Schule mit einem Bußgeld bestraft werden.

Wenn ein Mitarbeiter nicht geimpft ist

Neben den Kindern müssen auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Gemeinschaftseinrichtungen zweimal gegen Masern geimpft sein. Lehnen sie die Impfung ab, können sie nicht mehr in der Einrichtung arbeiten.

Warum werden besonders die Masern so beachtet?

Viele Menschen glauben, Masern wäre eine harmlose Kinderkrankheit. Doch das ist nicht richtig. Richtig ist, dass Masern eine hochansteckende Viruserkrankung sind, für die es keine Behandlung gibt. Zwischen der Ansteckung und dem Auftreten erster Krankheitszeichen vergehen 9 bis 12 Tage, doch Infizierte sind bereits 3 bis 5 Tage vor dem Ausbruch des Masernausschlags ansteckend. In dieser Zeit können ungeimpfte Säuglinge oder andere Personen besonders leicht angesteckt werden. Bei diesen Personen verläuft die Krankheit oft schwer und mit Komplikationen (z.B. Mittelohr-, Lungenentzündung). Außerdem sind Kinder unter 5 Jahren, und besonders Säuglinge, bei einer Masernerkrankung gefährdet, eine gefürchtete Hirnhautentzündung zu bekommen. Im Durchschnitt tritt sie bei 1 von 1.000 erkrankten Kindern auf und führt mitunter zum Tod oder zu bleibenden Schäden. Noch schwerwiegender verläuft die immer tödliche Spätfolge Masern-SSPE. Im Durchschnitt trifft 1 von 3.300 masernerkrankten Kindern unter 5 Jahren dieses Schicksal, je jünger das Kind, desto häufiger.

Warum müssen so viele Menschen gegen Masern geimpft sein?

Die Masern-Impfung kann Masern-Erkrankungen und Komplikationen verhindern. Damit sich die Masern nicht über Personen ohne Antikörper gegen das Masernvirus in der Bevölkerung ausbreiten können, müssen mindestens 95 von 100 Personen zwei Impfungen gegen Masern erhalten haben. In Deutschland hatten im Jahr 2017 zwar 97,1 Prozent der Schulanfänger eine Impfung gegen Masern erhalten, die für den vollständigen Schutz dringend notwendige zweite Impfdosis hatten aber nur 93 Prozent bekommen. So gering diese Lücke von 2 Prozent auch erscheint, sie bedeutet konkret, dass ca. 14.600 Schulkinder zusätzlich Überträger des Virus werden können. Rechnet man diesen Wert auf die gesamte Bevölkerung, so sind die Zahlen noch viel größer.

Mit der systematischen und verpflichtenden Impfung der Kinder erreicht man, dass sich das Virus in der Bevölkerung nicht mehr unkontrolliert verbreiten kann. Angestrebt wird, dass die Masern weltweit ausgerottet werden. Dazu müssen die Ansteckungszahlen auf unter 1 Erkrankung pro 1 Million Einwohner sinken. Mit derzeit zwischen 5 und 20 Erkrankungen pro 1 Million Einwohner sind wir in Deutschland von dem Ziel leider noch weit entfernt.

Weitere Informationen zur Masern-Impfung erhalten Sie hier.


NP-DE-VX-WCNT-200002, Jan20