Welthepatitistag 2021 – Zahl der Infektionen verringern bis 2030

Großmutter und Enkelin

Mit der Dauer und Aktualität der Corona-Pandemie gerät in Vergessenheit, dass es noch zahlreiche andere Infektionskrankheiten gibt, die für Infizierte oder Erkrankte schwere Folgen haben können. Infektionen mit Hepatitis B-Viren (HBV) beispielsweise zählen zu den häufigsten Infektionskrankheiten weltweit. Als chronische Infektionskrankheit der Leber kann die Erkrankung die Leber zerstören, zum Leberzellkarzinom führen und eine Lebertransplantation nötig machen. Der Tod infolge eines Leberzellkarzinoms rangiert weltweit auf Platz zwei der krebsbedingten Todesursachen.

 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass jährlich 820.000 Menschen an Hepatitis B sterben. Deutschland zählt in Bezug auf die Allgemeinbevölkerung zwar zu den Regionen mit relativ geringen Infektionszahlen (Region mit niedriger Prävalenz), dennoch sind bestimmte Bevölkerungsgruppen verstärkt betroffen. Darum haben die Weltgesundheitsorganisation und das Bundesgesundheitsministerium Strategien erarbeitet, wie die Zahl an Infektionen verringert werden kann. Das Ziel ist, die Hepatitis B und Hepatitis C, aber auch HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen bis zum Jahr 2030 weltweit zu eliminieren oder nachhaltig einzudämmen.

Bis dahin ist es jedoch ein weiter Weg. Die Voraussetzungen für eine Verringerung der Infektionen unterscheiden sich in verschiedenen Regionen der Erde stark. Zum Welthepatitistag am 28. Juli 2021 macht sich die World Hepatitis Alliance dafür stark, der Hepatitis mehr Aufmerksamkeit zu schenken – sowohl persönlich als auch politisch.

Doch was macht Hepatitis so besonders und gefährlich?

Hepatitis – ein kurzer Überblick

Von der viralen Hepatitis gibt es verschiedene Typen – A, B, C, D und E. Jede dieser Erkrankungen wird durch ein Hepatitisvirus ausgelöst, jeder Typ von einem anderen.

Hepatitis A

Die Hepatitis A ist die (in aller Regel) unproblemtischste Form, denn sie heilt in der Regel von selbst und nach einer Dauer von mehreren Wochen bis zu einem halben Jahr aus. Die Ansteckung erfolgt über kontaminiertes Wasser oder mit kontaminiertem Wasser in Berührung gekommene Lebensmittel wie Salate, Obst, Muscheln und Fisch. In südlichen Ländern ist das Vorkommen der Hepatitis A teilweise hoch, weswegen vor Reisen in viele Länder eine Impfung gegen Hepatitis A zu empfehlen ist. Die Hepatitis A wird nicht chronisch, zudem gibt es eine hochwirksame Impfung.

Hepatitis B

Mit der Hepatitis B kann man sich über den Kontakt zu Körperflüssigkeiten – Blut, Sperma, Vaginalflüssigkeit – infizierten. Die Ansteckung erfolgt daher häufig beim Sexualverkehr oder im häuslichen Umfeld, beispielsweise wenn Nagelscheren, Rasierer und andere spitze Gegenstände gemeinsam genutzt werden. Da die Symptome nicht immer eindeutig sind, oder sogar keine Symptome auftreten, wird eine Infektion oft nicht oder erst spät erkannt. Problematisch daran ist, dass bei 10% der Erwachsenen, 90% der Kinder und zwischen 30 und 90% der Personen mit eingeschränkter Immunfunktion die Erkrankung nicht ausheilt, sondern chronisch verläuft. Eine chronische Infektion kann nicht geheilt werden, aber mit Medikamenten kontrolliert werden. Wird die Erkrankung spät erkannt oder verläuft sie chronisch, so können sich die Hepatitis B-Viren lange Zeit ungehindert in den Zellen der Leber vermehren. Das führt zu Schädigungen der Leberzellen.
Seit 1995 wird die Impfung gegen Hepatitis B als Standardimpfung für alle Säuglinge, Kinder und Jugendlichen empfohlen. Auch für Erwachsene ist der Impfschutz sinnvoll.

Hepatitis C

Die Hepatitis C führt sehr häufig zur Chronifizierung und damit zu starken Schädigungen der Leber. Die WHO schätzt, dass weltweit etwa 71 Millionen Menschen chronisch mit Hepatitis C infiziert sind. In Deutschland ist die Infektionsrate besonders bei Menschen, die Drogen injizieren, bei Gefängnisinsassen und bei Migrantinnen und Migranten hoch. Die Übertragung des Virus erfolgt durch kontaminiertes Blut, deutlich seltener durch andere Körperflüssigkeiten wie Speichel, Schweiß, Tränen oder Sperma. Gegen diesen Hepatitis-Typ gibt es keine Impfung.

Hepatitis D

Hepatitis D kommt nur bei Personen vor, die gleichzeitig mit Hepatitis B infiziert sind. Das Hepatitis D-Virus benötigt für seine Vermehrung ein Oberflächenprotein des Hepatitis B-Virus. Es gibt keine spezielle Impfung gegen Hepatitis D. Aber da die Infektion direkt an eine Infektion mit Hepatitis B gekoppelt ist, schützt eine Hepatitis B-Impfung zugleich vor der Hepatitis D.

Hepatitis E

Die Hepatitis E kommt weltweit vor, allerdings unterschiedlich häufig. Unter den Erwachsenen in Deutschland haben fast 17% Antikörper gegen das Virus. In Afrika und Asien, insbesondere wenn die Trinkwasserversorgung unzureichend und die hygienischen Bedingungen schlecht sind, ist das Virus weit verbreitet. Vom Hepatitis E-Virus gibt es vier Untertypen. Die in Asien und Afrika vorwiegend anzutreffenden Typen (Genotyp 1 und 2) infizieren nur den Menschen. Der in Deutschland vorwiegend vorkommende Genotyp 3 und ebenso der in Asien vorkommende Genotyp 4 infiziert neben dem Menschen vor allem das Hausschwein, aber auch Wildschweine. Aus diesem Grund erfolgt in Deutschland die Übertragung vor allem durch nicht ausreichend gegartes Schweinefleisch und daraus hergestellten Produkten. Die in Afrika und Asien vorkommenden Genotypen werden fäkal-oral, also durch mit infizierten Fäkalien verunreinigtes Wasser und Lebensmittel übertragen. Besonders während Überschwemmungen in der Monsunzeit kann es zu Epidemien kommen. In China ist ein Impfstoff gegen Hepatitis E zugelassen. In Europa steht er aber nicht zur Verfügung.

Hepatitis A, B und D: Impfung schützt!

Nicht gegen alle Hepatitis-Erkrankungen gibt es Impfungen. Doch gegen Hepatitis A und Hepatitis B gibt es seit Jahrzehnten erprobte und gut wirksame Impfstoffe. Die Hepatitis B-Impfung schützt dabei gleichzeitig auch gegen eine Erkrankung mit Hepatitis D.

Da die Hepatitis A in vielen Reiseländern weit verbreitet ist, ist eine Impfung vor Reisen sinnvoll. Zudem gibt es weitere Personen mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko

Wie erkenne ich eine Hepatitis-Infektion?

Viele Hepatitis-Erkrankungen werden nicht oder erst lange nach der Infektion erkannt. Doch je früher eine Infektion erkannt wird, desto besser sind die Möglichkeiten der Behandlung. Bei einer Hepatitis B-Infektion kann sogar kurz nach der Infektion noch geimpft werden. Aus diesem Grund wäre es wünschenswert, dass Hepatitis-Infektionen deutlich früher erkannt werden als bisher. Doch auf welche Symptome sollten Sie achten?

„Leider“ gibt es nicht ein bestimmtes Krankheitszeichen, das eine Hepatitis-Infektion zweifelsfrei anzeigt. Viel mehr gibt es eine Reihe unspezifischer Symptome, die auch bei anderen Krankheiten auftreten können und daher oft nicht als Hepatitis erkannt werden. Dennoch sollten Sie aufmerksam werden und Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin Ihre Vermutung mitteilen, wenn Sie folgende Anzeichen bei sich oder einem Familienmitglied beobachten:

  • Allgemeines Krankheitsgefühl (Unwohlsein, Abgeschlagenheit, erhöhte Temperatur oder leichtes Fieber)
  • Magen-Darm-Symptome mit Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Druckschmerz im rechten Oberbauch, evtl. Durchfall
  • Gelbfärbung von Haut, Augäpfeln, Dunkelfärben des Urins
  • Eingeschränkte Leistungsfähigkeit bzw. Leistungsabfall und Müdigkeit über längere Zeit

Eine Infektion mit Hepatitis-Viren kann in einer Blutuntersuchung nachgewiesen werden. Dazu muss allerdings gezielt danach gesucht werden. Werden beispielsweise unerklärbar auffällige Leberwerte festgestellt, sollte nach einer Hepatitis-Infektion als Ursache gesucht werden.

 

NP-DE-MLV-WCNT-210048, Aug21