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Welche Impfungen werden in der Zukunft benötigt? - Teil 3

Obwohl bereits viele hochwirksame Impfstoffe gegen unterschiedlichste Infektionskrankheiten verfügbar sind, gibt es auch noch eine Reihe offener Flanken, die geschützt werden wollen. Die WHO führt eine Liste mit Krankheiten oder Pathogegen, gegen die Impfungen vorrangig entwickelt werden sollten. Doch welche Impfstoffe sind in der Zukunft denkbar oder schon in Planung? Erfahren Sie mehr im dritten Teil der Serie zur Geschichte der Impfung.

Labormitarbeiterin untersucht etwas am Mikroskop

Impfungen haben seit ihrer ersten Entwicklung unzählige Menschenleben gerettet. Die Erfolgsgeschichte begann mit der Entdeckung des Prinzips einer Immunisierung und setzte sich im 20. Jahrhundert mit der Entwicklung zahlreicher Impfstoffe fort. Auch in Zukunft ist der potentielle Nutzen durch neue Impfstoffe für die Gesundheit der Menschen auf der ganzen Welt riesig. Wissenschaftler der Weltgesundheitsorganisation WHO und anderer Organisationen führen derzeit 69 Krankheiten auf, für die es keine oder keine ausreichenden Schutzmöglichkeiten gibt, die aber das Potential besitzen, Epidemien auszulösen und damit eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit darstellen. Neben der Entwicklung neuer Impfstoffe, kann die Gesundheitsversorgung auch durch die Anpassung bereits verfügbarere Impfstoffe erzielt werden.

Impfstoffe gegen 35 Krankheiten werden entwickelt

Die acht großen Herstellerfirmen von Impfstoffen decken mit ihren Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in 89 Projekten 35 dieser Krankheiten ab. Die meisten Projekte gibt es zu Pneumokokken-Erkrankungen, HPV, Influenza (Grippe), Meningokokken-Erkrankungen, RSV (Atemwegserkrankungen) und Dengue Fieber. Fast ein Drittel der laufenden Projekte zielt auf den Schutz vor Krankheiten, die von der WHO mit hohem Bedarf für einen Impfstoff versehen werden. Die meisten dieser Krankheiten treten vor allem in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommensniveau auf, z.B. B-Streptokokken, HIV oder Malaria.

GSK liegt dabei mit ihrer umfassenden Liste mit 25 Projekten insgesamt, und sieben der von der WHO mit der höchsten Dringlichkeit versehenen Krankheiten, an der Spitze.
Bereits in der Phase der Zulassung befinden sich Impfstoffe gegen Malaria, Dengue-Fieber und Milzbrand. In der Phase III der klinischen Erprobung, also der letzten Phase vor einer möglichen Zulassung, finden sich beispielsweise ein Impfstoff gegen Tuberkulose, gegen Cytomegalie-Viren, welche unter anderem Organtransplantierten gefährlich werden können oder Ebola. Ein Impfstoff gegen HIV/AIDS hat zum Ziel, den Krankheitsausbruch zu verzögern. Ein zuverlässiger Schutz vor einer HIV-Infektion mit einer Impfung ist trotz intensiver Forschung noch immer nicht gefunden.

In der Phase II befinden sich Impfungen gegen Noroviren (Magen-Darm-Erkrankungen) oder Hepatitis C, aber auch gegen Genitalherpes. Ein großer Erfolg wäre es, wenn sich der in der Phase II der klinischen Forschung befindliche Impfstoff gegen MRSA als wirksam und sicher herausstellen würde. MRSA steht für multiresistenter Staphylococcus aureus. Es handelt sich um einen Erreger, der bereits gegen die meisten verfügbaren Antibiotika resistent ist und besonders in Krankenhäusern ein großes Problem darstellt.

Auch die Phase I-Pipeline ist gut gefüllt. Allerdings ist bei diesen Projekten noch am unsichersten, ob oder welche von ihnen die klinische Erprobung erfolgreich durchlaufen werden. Im besten Fall gäbe es in einigen Jahren auch Impfstoffe gegen Borreliose, eine bakterielle Erkrankung, welche durch Zecken übertragen wird, weitere Verbesserungen der saisonalen Grippeimpfstoffe und Impfungen gegen Krankheiten, die vor allem in entfernten Regionen in Afrika oder Asien auftreten (West-Nil-Fieber, Lassafieber, Niaph-Virus-Infektion).

Ziel: Temperaturstabilere Impfstoffe

Bei vielen Impfstoffen ist es notwendig, dass von der Produktion bis zur Verabreichung die Kühlkette nicht unterbrochen wird, weil der Impfstoff sonst an Wirkung verliert oder gänzlich unwirksam wird. Das ist besonders in heißen Ländern oder Entwicklungsländern häufig ein Problem. Mehrere Firmen forschen daher intensiv daran, Impfstoffe zu produzieren, die auch höhere Temperaturen unbeschadet überstehen oder gänzlich temperaturunabhängig funktionieren.

Auch wenn wir in Deutschland manchmal das Gefühl haben, es gäbe schon so viele Impfungen, so sieht das im weltweiten Vergleich ganz anders aus. Der Bedarf an neuen und verbesserten Impfstoffen bleibt weiterhin groß.


DE/VAC/0451/18, Okt18