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Zeckenstiche - was wirklich hilft (und was nicht)

Wer sich über den richtigen Schutz vor den Gefahren eines Zeckenstichs informieren will, findet im Internet viele Angebote. Viele Tipps basieren allerdings auf Mythen oder Irrglaube. Manche schützen unzureichend, andere können die Folgen eines Stichs sogar verschlimmern. Die folgende Sammlung räumt mit den häufigsten Fehlinformationen auf.

  1. Zecken sterben im Winter.
    Dafür muss es über einen langen Zeitraum tiefe Minustemperaturen weit unter -10 Grad Celsius haben. Ansonsten überwintern die Zecken einfach unter Laub. Bereits ab Temperaturen von 5 Grad Celsius werden sie wieder aktiv und begeben sich auf die Suche nach einem Wirt. Daher empfiehlt sich auch im Winter ein Zeckenschutz.

  2. Zecken leben im Wald.
    Milde Temperaturen und ausreichend Feuchtigkeit – so lieben es die Zecken. Diese Bedingungen finden sie jedoch nicht nur in Wäldern, sondern auch in hohem Gras, Büschen und Unterholz von Gärten und Parks. Im Prinzip überall, wenn man befestigte Wege verlässt.1

  3. Zecken springen von Bäumen.
    Zecken finden ihre bevorzugten feuchten und milden Lebensräume weit häufiger in Bodennähe auf Gräsern und Büschen. Da die Spinnentiere meist nicht höher als 1,50 Meter klettern, kann hochgeschlossenes Schuhwerk eine wichtige Schutzmaßnahme sein. Zeckenstiche am Kopf sind meist ein Resultat von Zecken, die den Körper des Wirts emporkrabbeln um eine geeignete Einstichstelle zu finden.

  4. Entfernen schützt vor Krankheitsübertragung.
    Dies trifft nur zum Teil zu. Die Bakterien der Lyme-Borreliose werden, in der Regel, erst acht bis 10 Stunden nach Beginn des Saugvorgangs der Zecke weitergegeben. Entfernt man die Zecke also früh und unbeschädigt, kann das eine Borrelien-Infektion vermeiden. Die Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) hingegen sind Viren, die mit dem Speichel der Zecke direkt beim Stich übertragen werden. Für FSME gibt es keine ursächliche Behandlung. Hier schützt nur die Immunisierung durch die Schutzimpfung effektiv.

  5. Kokosöl schützt vor Zeckenstichen.
    Die zeckenabstoßende Wirkung der Laurensäuren, die Kokosöl enthält, wurde in einer Studie belegt. Zur effektiven Zeckenabwehr wird empfohlen, nicht das reine Kokosöl, sondern Repellentien zu benutzen: Sie enthalten den Wirkstoff in kontrollierter Konzentration. Im Vergleich zu herkömmlichen Insektenschutzmitteln lässt zudem die Schutzwirkung der Laurensäure schneller nach.2 Generell sollten Abwehrmittel regelmäßig neu aufgetragen werden, um die Zecken erfolgreich fernzuhalten.

  6. Bernstein schützt vor Zeckenstichen.
    Eine Schutzwirkung von Bernsteinketten konnte bislang wissenschaftlich nicht belegt werden.

  7. Zecken können mit Klebstoff entfernt werden.
    Diese Information ist nicht nur falsch, sondern auch gefährlich: Die Zecke sollte möglichst unbeschädigt entfernt werden. Sonst besteht die Gefahr, dass sich der Darm der Zecke entleert, in dem sich Bakterien der Lyme-Borreliose befinden können. Korrekt ist es, die Zecke vorsichtig zu greifen, langsam und gerade herauszuziehen: entweder mit Daumen und Zeigefinger oder speziellen Hilfsmitteln wie Pinzetten und Karten. Im Anschluss die Stelle mit Jod oder Alkohol desinfizieren und beobachten. Bleibt eine Rötung oder Schwellung sichtbar, sollte zeitnah ein Arzt aufgesucht werden.

Quellen:

1 FSME-Situation in Deutschland und Karte der Risikogebiete, Epid Bull 17/2017 (1999) 431–441.
2 H. Dautel, O. Kahl, K. Siems, M. Oppenrieder, L. Müller-Kuhrt, M. Hilker, A novel test system for detection of tick repellents, Entomol. Exp. Appl. 91  


DE/ENC/0006/18b, Feb18


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