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Gürtelrose-Infocenter Patienten berichten

Gürtelrose-Infocenter

Patienten berichten

Die Krankheit lässt mich heute bewusster handeln

Elke Bussmann (57) kämpfte über ein Jahr mit den körperlichen Auswirkungen der Gürtelrose.
Die Mutter ging mit Rückenschmerzen zum Arzt. Er erkannte die Zeichen nicht: Eine Odyssee der Schmerzen begann.

Frau schneidet in der Küche Äpfel

 „Bis zu meiner Gürtelrosenerkrankung war ich davon überzeugt, nicht sonderlich empfindlich zu sein und auch mit starken Schmerzen umgehen zu können,“ so Elke Bussmann heute. „Was ich dann erfahren musste, hat meine Vorstellungskraft bei weitem übertroffen. Die extremen Schmerzen haben mich förmlich überrollt und sehr schnell an meine Grenzen gebracht. Eine Erfahrung, die ich nicht noch einmal erleben möchte."

An einem Sonntag im Oktober 2016 verspürte sie plötzlich Schmerzen im Rücken. Einen Tag später unternahm sie noch eine zweitägige Dienstreise, obwohl sich die Schmerzen über Nacht deutlich vermehrt hatten und sich jetzt unterhalb der Schulter pulsierende, stechende Schmerzen ausbreiteten. Als gelernte orthopädische Fachkraft vermutete die damals 55-jährige einen eingeklemmten Nerv als Ursache. Der Arzt, den sie zwei Tage später aufsuchte, teilte diese Vermutung und spritzte ihr ein Schmerzmittel. Zu Hause versuchte sie außerdem, sich abwechselnd mit Wärmekissen und Eisbeuteln Linderung zu verschaffen. Sie „traktierte“ ihren Rücken mit allem, was vielleicht irgendwie helfen könnte“ – ein Umstand, der es ihrem Arzt vielleicht fast unmöglich machte, den bereits aufgetretenen Hautausschlag zu erkennen. Aber egal, was sie unternahm: Die Schmerzen wurden immer schlimmer und ihre Verzweiflung wuchs. „Ich wusste nicht mehr, was ich machen sollte“.

Einen erneuten Arztbesuch schob sie zunächst auf. „Aber am folgenden Freitag ging es einfach nicht mehr und ich musste noch einmal zum Arzt“. Inzwischen waren auch erste Bläschen auf dem Rücken im Bereich der Brustwirbelsäule erkennbar, der Verdacht einer Gürtelrose (Herpes Zoster) lag nahe. Der Arzt verordnetet eine Zoster Medikament und gab der damals 55-jährigen erneut eine Spritze.

Doch die Schmerzen blieben. Sie wurden so stark, dass Elke nicht mehr schlafen konnte. Tagsüber fühlte sie sich extrem schwach und übermüdet. Sie versuchte flacher als gewohnt zu atmen, um den Schmerzen auszuweichen. „Doch dadurch“, sagt sie heute, „verkrampfte sich mein ganzer Körper und ich bekam Schmerzen in der Herzregion“. Eine Woche nach Beginn der ersten Symptome stellte sie sich beim Ärztlichen Notdienst vor, der sie sofort ins Krankenhaus einwies. Dort kam sie sofort an den Tropf, starke Schmerzmittel beruhigten ihren Körper. „Im Krankenhaus habe ich zum ersten Mal wieder geschlafen“, erinnert sie sich, „für den weiteren Heilungsverlauf war das extrem wichtig.“

Nach zwei Wochen Akutbehandlung waren die schlimmsten Schmerzen, die sich für Elke so ähnlich wie Wehenschmerzen anfühlten, überstanden. Noch vor Weihnachten versuchte die zweifache Mutter und Großmutter, wieder zu arbeiten. Doch sie merkte rasch: Auch wenn die akuten Schmerzen nachgelassen hatten, war sie deswegen noch lange nicht gesund. Sie fühlt sich geschwächt, hatte Mühe, zu Fuß die kleine Anhöhe zu bewältigen, die zu ihrem Wohnhaus führte. Nach ihrem Weihnachtsurlaub entschied sie deshalb: „ich nehme eine Auszeit bis Februar.“

So sehr Elke die Krankheit auch mitgenommen hat: Sie hatte noch Glück im Unglück. Denn eine postzosterische Neuralgie (PZN), eine mögliche chronische Folgeerkrankung von Herpes Zoster, blieb ihr erspart. „Allerdings hat es über ein Jahr gedauert, bis ich wieder gesund war“. Die Krankheit hat mir aber gezeigt, dass ich viel besser auf mich und meinen Körper hören muss - denn jeder Tag ohne Schmerzen ist später eine lebenswerte Erinnerung.“

Die Gürtelrose wird oft unterschätzt.

Frau im Garten schneidet Rosen

Dr. Johannes Hain, Senior Medical Advisor für den medizinischen Fachbereich Impfstoffe, Reise- und Tropenmedizin bei GlaxoSmithKline

Was häufig tritt eine Gürtelrose auf?

In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 400.000 Menschen an Gürtelrose. Diese tritt am häufigsten bei Menschen im Alter ab 50 Jahren auf.

Wer ist betroffen?

Eine Gürtelrose kann jeder bekommen, der zuvor (meist als Kind) die Windpocken hatte. Deren Erreger, das Windpocken- oder Varizella-Zoster-Virus, nistet sich nämlich dauerhaft in Nervenzellen entlang des Rückenmarks ein. In der Regel hält das Immunsystem sie dort in Schach. Wenn die Abwehrkräfte mit zunehmendem Alter aber nachlassen, können die Viren aus ihrem Versteck ausbrechen und sich vermehren. Sie wandern zur Haut zurück und schädigen dabei die Nerven. So entsteht die Gürtelrose.

Gibt es typische Symptome?

Anfangs sind Patienten oft nur müde oder haben Fieber, und es treten Schmerzen, meist im Rumpfbereich auf. Später bilden sich aus roten Flecken an diesen Stellen Bläschen, die sich auf einer Körperseite zu einem Band formieren – daher der Name Gürtelrose. Die Bläschen heilen meist innerhalb von vier Wochen ab. Betroffene berichten häufig von einem stark brennenden, stechenden und ziehenden Schmerz. Manchmal hält dieser auch nach Abheilen des Hautausschlags über Jahre hinweg an, man spricht dann von einer „Post-Zoster-Neuralgie“, kurz PZN.

Kann man vorbeugen?

Die Behandlung einer Gürtelrose sollte innerhalb von 72 Stunden nach dem Auftreten der ersten Symptome beginnen. Das ist aber längst nicht immer möglich, da die Symptome am Anfang nicht eindeutig sind und somit ein Arzt nicht frühzeitig aufgesucht wird. Aus diesem Grund ist Prävention durch eine Impfung bei Menschen ab 50 Jahren durchaus sinnvoll.

DE/ZOS/0021/19, Mär19

 

Erfahrungsbericht – Krankheitsverlauf der Elke B.

Alter zum Zeitpunkt der Diagnose 55 Jahre 

16
Okt

Erste Symptome

Erste Symptome in Form von Schmerzen im Rücken unterhalb der Schulterblätter

17
Okt

Verstärkung der Beschwerden

Antritt zu einer zweitägigen Dienstreise – massive Verstärkung der Beschwerden in Form von pulsierenden stechenden Schmerzen (eigene Vermutung: Nerv eingeklemmt)

19
Okt

Erster Arztbesuch

Erster Arztbesuch – durch eigene Vermutungsäußerung zunächst Behandlung mit Injektion von Lokalanästhetikum um die Schmerzregion. Zu diesem Zeitpunkt noch keine sichtbare Hautveränderung.

21
Okt

Verdacht auf Gürtelrose

Erneuter Arztbesuch, da die Schmerzen unerträglich wurden – jetzt Verdacht auf Gürtelrose, erste Anzeichen eines beginnenden Hautausschlags im Bereich der Brustwirbelsäule.Der Arzt verordnet sofort Brivudin sowie Schmerzmittel und spritzt ein Immunglobulin. Außerdem erfolgt eine Krankschreibung.

22
Okt

Keine Besserung

Keine Besserung der Schmerzsymptomatik, der Hautausschlag hat sich nur geringfügig weiter ausgebreitet. Extremes Schwächegefühl und totale Übermüdung, da aufgrund der Schmerzen kaum Schlaf möglich war.

23
Okt

Klinik

Vorstellung beim Ärztlichen Notdienst, da die Schmerzen nach wie vor nicht besser wurden, aufgrund der Schmerzsymptomatik eine belastende Schlaflosigkeit vorlag und nun unspezifische Herzbeschwerden auftraten. Daraufhin Einweisung in die Klinik zur Abklärung der Herzsymptomatik. Dort Schmerzbehandlung mit dem Opioid Tramadol und dem Analgetikum Metamizol. Anschließende stationäre Behandlung für mehrere Tage bis 26.10.2016.

24
Okt

Krankschreibung

Erneute Krankschreibung für 2 Wochen.

15
Dez

Extreme Schwächung

Immer noch extrem geschwächt, die Arbeit bis zum Weihnachtsurlaub nur mit größter Kraftanstrengung möglich.

01
Feb

Auszeit und Rekonvaleszenz

Daraufhin persönliche Entscheidung, eine Auszeit bis Anfang Februar 2017 zu nehmen. Es hat sich keine PZN entwickelt, aber insgesamt hat sich die Rekonvaleszenz über mindestens ein Jahr hingezogen. Die physische Belastbarkeit ist noch immer nicht vollständig zurückgekehrt.

DE/HRZ/0009/18e, Apr18 

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