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Gürtelrose-Infocenter Ursachen einer Gürtelrose

Gürtelrose-Infocenter

Ursachen einer Gürtelrose

Windpocken und Gürtelrose: Wie hängt das zusammen?

Während das Grippevirus nur Grippe hervorrufen kann und das Herpes simplex Virus immer die gleichen Bläschen an der Lippe verursacht, gibt es bei Windpocken und Gürtelrose eine Besonderheit. Doch schauen wir uns die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede beider Krankheiten genauer an.

Windpocken und Gürtelrose – die Gemeinsamkeiten

Folgende Gemeinsamkeiten haben beide Krankheiten.

 

Windpocken

Gürtelrose

Erreger

Die wichtigste Gemeinsamkeit von Windpocken und Gürtelrose ist, dass beide Erkrankungen vom gleichen Virus ausgelöst werden. Bei der ersten Ansteckung mit dem Varizella-zoster-Virus (VZV) erkrankt man an Windpocken. Meist geschieht das im Kindesalter.

Hautausschlag

Bei beiden Erkrankungen tritt ein Hautausschlag (Exanthem) auf. Erst zeigen sich Papeln und dann flüssigkeitsgefüllte Bläschen. Im Verlauf von einigen Tagen verkrusten die Bläschen und bilden einen Schorf.

Juckreiz

Sowohl bei den Windpocken als auch bei der Gürtelrose können die Bläschen stark jucken.

Vorbeugung

Sowohl für die Windpocken als auch für die Gürtelrose gibt es eine Impfung. Die Impfung gegen Windpocken wird allen Kindern empfohlen (1. Dosis im Alter von 11-14 Monaten, 2. Dosis im Alter von 15 – 23 Monaten). Mit der Impfung ab 50 Jahren können Erwachsene einer Gürtelrose vorbeugen.

Personen, die gegen Windpocken geimpft sind, erkranken 3-12 Mal seltener an Gürtelrose.


Windpocken und Gürtelrose – die Unterschiede

Aber es gibt auch eine Reihe von Unterschieden, was umso bemerkenswerter ist, weil es sich ja bei beiden Erkrankungen um den gleichen Erreger handelt, das Varizella-zoster-Virus.

 

Windpocken

Gürtelrose

Typ der Erkrankung

Die erste Infektion mit dem Virus führt unweigerlich zu den Windpocken.

Nach dem Abheilen der Erkrankung zieht sich das Virus an bestimmte Orte des Nervensystems, den sogenannten Spinalganglien, zurück und schlummert dort in den Nervenzellen.

Damit eine Gürtelrose entstehen kann, muss zuvor irgendwann im Leben eine Windpockenerkrankung stattgefunden haben. Die Gürtelrose entsteht nicht durch eine neue Infektion, sondern durch eine Reaktivierung des nach der Windpockenerkrankung schlummernden Virus.

Alter bei der Erkrankung

Die Windpocken treten meist im Kindesalter auf. Bei etwa 99,5 % der Erwachsenen können Antikörper gegen das VZV nachgewiesen werden. Erfolgt eine Windpocken-Erkrankung erst im Jugend- oder Erwachsenenalter, verläuft sie meist schwerer als in der Kindheit.

Die Gürtelrose tritt vor allem bei Personen über 50 Jahren auf. Ursache ist das mit dem Alter nachlassende Immunsystem. In seltenen Fällen sind auch (sonst gesunde) jüngere Menschen betroffen. Bei Kindern verläuft eine Gürtelrose meist recht gutartig.

Hautausschlag

Bei den Windpocken treten die Bläschen, ausgehend vom Rumpf, am ganzen Körper auf.

Bei der Gürtelrose ist der Hautausschlag begrenzt auf ein bestimmtes Hautareal und tritt nur einseitig auf – meist im Brust- und Lendenbereich.

Ansteckungsgefahr

Windpocken sind hochansteckend. Durch Tröpfcheninfektion verbreitet sich das Virus „wie der Wind“. Neun von zehn Personen, die mit dem Virus in Kontakt kommen, erkranken.

Ein Windpockenpatient ist bereits 1-2 Tage vor dem Auftreten des Hautausschlags und bis zum vollständigen Verkrusten der Bläschen (etwa 5-7 Tage nach Auftreten des Exanthems) ansteckend.

Nur der direkte Kontakt mit den virushaltigen Bläschen auf der Haut kann zu einer Ansteckung führen. Außerdem können sich ausschließlich Personen anstecken, die noch keine Windpocken hatten (z. B. Enkelkinder). Für alle anderen ist der Kontakt unproblematisch.

Wie bei den Windpocken kann eine Ansteckung über die Bläschen vom Auftreten des Ausschlags bis zum vollständigen Abheilen der Bläschen erfolgen.

Häufigkeit der Erkrankung

Windpocken bekommt man nur einmal im Leben.

Eine Gürtelrose kann man auch mehrmals bekommen. Bei jeder Reaktivierung des Virus entsteht eine Gürtelrose.

Symptome

Typische Symptome der Windpocken sind Fieber und Juckreiz.

Ein großer Unterschied zwischen den Windpocken und der Gürtelrose besteht in den Symptomen. Eine Gürtelrose geht mit starken Nervenschmerzen einher, die unter Umständen auch noch nach dem Abheilen des Hautausschlags für mehrere Wochen, Monate oder Jahre anhalten können (Post-Zoster-Neuralgie).

Behandlung

Bei den Windpocken reicht in der Regel eine Behandlung der Symptome aus. Tinkturen, Cremes oder Pulver zur Verminderung des Juckreizes können hier helfen.

Bei der Gürtelrose wird in den meisten Fällen eine antivirale Therapie mit Medikamenten durchgeführt. Zusätzlich werden Schmerzmittel verabreicht. Dadurch heilt der Hautausschlag schneller ab und das Risiko einer PZN verringert sich. Auch bei der Gürtelrose kann es nötig sein, juckreizlindernde Präparate zu verwenden.

 

Infografik – 99,5 % aller Menschen über 50 hatten in der Kindheit Windpocken, d. h. sie sind mit dem Varizella-Zoster-Virus infiziert und können daher an einer Gürtelrose erkranken.

Die Ursachen für Gürtelrose: So entsteht die Krankheit

Tafel mit der Aufschrift

Mit der Abnahme der Leistungsfähigkeit des Immunsystems, welche bereits ab einem Alter von 50 Jahren deutlich sichtbar wird, ist eine Erkrankung wahrscheinlicher. Einer von drei Erwachsenen erkrankt im Laufe seines Lebens an Gürtelrose. Doch wie kommt es eigentlich dazu? Welche Ursachen gibt es für eine Gürtelrose?

Vorausgegangene Infektion mit Varizella-Zoster-Viren

An einer Gürtelrose kann ein Mensch nur erkranken, wenn vorher eine Infektion mit dem auslösenden Virus, dem Varizella-Zoster-Virus, stattgefunden hat. Dies geschieht meistens bereits schon im Kindesalter in Form von Windpocken. Wer also einmal die Windpocken hatte, kann an einer Gürtelrose (Herpes Zoster) erkranken. Da die Windpocken extrem ansteckend sind, hatten über 99,5 Prozent der Erwachsenen die Erkrankung.

Abnahme der Immunfunktion

Damit die Varizella-Zoster-Viren, die sich nach einer Windpockenerkrankung in den Nervenzellen im Rückenmark einnisten, wieder aktiv werden können, müssen sie die körpereigene Abwehr, das Immunsystem, überwinden. Mit steigendem Alter nimmt die Leistungsfähigkeit des Immunsystems ab. Man bezeichnet diesen Vorgang als Immunoseneszenz. Die Folge sind häufigere und schwerere Infekte und Erkrankungen. Die Abnahme der Immunabwehr bietet den Viren die Möglichkeit zur Vermehrung – und damit zur Ausprägung einer Gürtelrose. Je älter ein Mensch ist, desto schwächer wird das Immunsystem. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Gürtelrose immer weiter an. Doch neben der altersabhängigen Abnahme der Immunfunktion können auch andere Faktoren dazu beitragen, dass die Viren den Kampf gewinnen.

Infografik – die Immunkompetenz nimmt mit dem Alter ab; die Infektionsanfälligkeit nimmt zu.

Krankheitsbedingt geschwächtes Immunsystem

Bei schweren Erkrankungen wird häufig das Immunsystem stark belastet oder bewusst weitgehend ausgeschaltet. Dies ist zum Beispiel bei Rheuma oder bei einer Chemotherapie der Fall. Besondere Vorsicht ist in diesen Fällen geboten, da diese Patienten oft nahezu keine Immunabwehr mehr haben. Selbst leichte Infektionen können dann fatale Folgen haben. In diesem Zustand können Varizella-Zoster-Viren einfacher reaktiviert werden.

DE/HRZ/0020/18, Jun18; DE/HRZ/0033/18, Jul18