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4. April 2018

Masern – keine harmlose „Kinderkrankheit“

Vor Masern schützen ist wichtig, denn Masern sind keine harmlose „Kinderkrankheit“ und werden häufig unterschätzt. Lesen Sie über Komplikationen, welches Land in Europa bereits frei von Masern ist und wo Deutschland auf dem Weg zur Masernfreiheit steht.


Vor Masern schützen ist wichtig, denn Masern sind keine harmlose „Kinderkrankheit“ und werden häufig unterschätzt: Komplikationen sind Lungenentzündungen (etwa 6 % aller Masernfälle) oder Gehirnentzündungen (Masern-Enzephalitis, einer von 1.000 Masernfällen). Etwa 30 % aller Masern Erkrankungen zeigen eine oder mehr Komplikationen, wobei unter 5-jährige Masernpatienten und Erwachsene über 20 Jahre und älter am häufigsten von Komplikationen betroffen sind.1

Eine gefürchtete Spätfolge der Masern ist die SSPE (Subakute Sklerosierende Panenzephalitis), ein schleichender Zerfall des Gehirns fast immer mit tödlichem Ausgang, die im Mittel etwa sechs bis acht Jahre nach der Maserninfektion auftreten kann. Besonders gefährdet sind Säuglinge, die sich in den ersten fünf Lebensjahren mit Masern angesteckt haben.2

Das hoch gesteckte Ziel der WHO, bis 2015 die Masern in Europa und zwei weiteren Regionen ausgerottet zu haben, wurde trotz guter Impferfolge in einigen Ländern jedoch bisher verfehlt. Deutschland weist im Hinblick auf die Eliminierung von Masern nur geringe Erfolge auf. Ursachen dafür sind wahrscheinlich die Unkenntnis über die Schwere der Erkrankung sowie eine impfskeptische Haltung in Teilen der Bevölkerung. In Finnland galten die Masern dagegen seit 1996 bis vor kurzem als eliminiert – aufgrund eines 1982 aufgesetzten Impfprogramms.3 Für einen solchen Erfolg sind allerdings Durchimpfungsraten von über 95 % für zwei Impfungen nötig. In Deutschland werden diese Durchimpfungsraten seit Jahren nicht erreicht. Im Jahr 2017 gab es fast drei mal so viele, d. h. 919gemeldete Masern-Fälle, wie noch im Jahr 2016 (326).4 Deutschland gefährdet damit auch die Impferfolge anderer Länder, denn durch Touristen, die sich in Deutschland infizieren, oder durch mit Masern infizierte deutsche Reisende im Ausland, kann die Erkrankung eingeschleppt werden, wie es zuletzt in Guatemala der Fall war.5

 

Quellen:

1 Measles. In: 13th Edition Epidemiology & Prevention of Vaccine-Preventable Diseases – “The Pink Book”. Public Health Foundation, 2015 S. 210: https://www.cdc.gov/vaccines/pubs/pinkbook/downloads/meas.pdf
2 Robert Koch-Institut, Abteilung für Infektionsepidemiologie, RKI-Ratgeber für Ärzte, Masern, Stand: 19.05.2014 https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Masern.html
3 Seppälä E, Zöldi V, Vuorinen S, et al. A cluster of measles linked to an imported case, Finland, 2017. Eurosurveillance. 2017;22(33):30595. doi:10.2807/1560-7917.ES.2017.22.33.30595.
4 Epidemiologisches Bulletin 1/2018 des Robert Koch-Instituts, 4. Januar 2018: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2018/Ausgaben/01_18.pdf?__blob=publicationFile und Robert Koch-Institut. Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2016, Datenstand: 1. März. 2017: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Jahrbuch/Jahrbuch_2016.pdf?__blob=publicationFile
5 Berufsverband der Kinder-und Jugendärzte (BVKJ), Präsident: Dr. Thomas Fischbach, Pressemitteilung vom 23. Januar 2018, https://www.bvkj.de/presse/pressemitteilungen/ansicht/article/bvkj-praesident-fischbach-deutschland-darf-nicht-zum-exporteur-von-masern-werden-soziale-verantwo/

 


DE/PRIT/0012/16a(1), Apr18