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Die Geschichte der Impfung – Teil 2

Das 20. Jahrhundert – Zeitalter der Impfungen und Impferfolge – Nachdem mit der Vakzination erstmals eine Möglichkeit gefunden war, die Pocken einzudämmen (Teil 1), begab man sich auf die Suche nach Impfungen gegen andere Krankheiten; und das erfolgreich. Von Tetanus bis Masern, von Keuchhusten bis Hepatitis – heutzutage gibt es eine Vielzahl wirksamer und sicherer Impfungen für Kinder und Erwachsene.

altertümliches Stetoskop, Sanduhr, Buch, Spritzen

Nach den Erfolgen gegen die Pocken, die durch die Verbreitung der Pockenimpfung erreicht werden konnte (lesen Sie auch Teil 1: „Von der Inokulation zur Vakzination – alles dreht sich um die Pocken“), gab es das Ziel, den großen Pockenepidemien, die zu dieser Zeit in Europa viele Menschenleben kosteten, Einhalt zu gebieten. Dazu musste jedoch verhindert werden, dass die Pocken immer wieder neue Menschen infizieren konnten. Es musste die allgemeine flächendeckende, lückenlose, konsequente und kontinuierliche Durchimpfung der gesamten Bevölkerung erreicht werden. Dazu wurde 1874 in Deutschland das Reichsgesetz zur Pockenimpfung durchgesetzt. Die umfassende Durchimpfung der Bevölkerung führte zu einer drastischen Abnahme der Pockenerkrankungen in Deutschland. Weltweite Anstrengungen der Weltgesundheitsorganisation WHO sorgten dann ab 1967 dafür, dass die Pocken innerhalb von 10 Jahren weltweit verschwanden. Seit 1980 gelten sie weltweit als ausgerottet.

Auf der Suche nach neuen Impfstoffen

Die Erfahrungen mit der Pockenimpfung und die Entdeckung von Krankheitserregern ermöglichten die Entwicklung weiterer Impfstoffe. So fand Louis Pasteur 1881 einen Impfstoff gegen den Milzbrand. Kurz darauf entwickelten Emil von Behring und der Japaner Shibasaburo Kitasato das erste Serum gegen Diphtherie und etwas später eine Impfung gegen Diphtherie. Es folgten Impfstoffe gegen Tetanus und Pertussis (Keuchhusten) (1926), gegen Gelbfieber und Influenza (Grippe) (1936) und gegen Poliomyelitis (Kinderlähmung) (1955 bzw. 1961). In den 1960er Jahren wurden dann in Deutschland die Impfstoffe gegen Masern, Mumps und Röteln verfügbar.

PEI und STIKO: Ein Tandem für die Sicherheit der Menschen

So bestechend die Funktionsweise einer Impfung auch ist, so sorgfältig muss ihre Anwendung erfolgen. Deswegen wurde im Jahr 1972 das Bundesamt für Sera und Impfstoffe, das Paul-Ehrlich-Institut (kurz PEI), eingerichtet, um die Prüfung der Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit von Impfstoffen zu prüfen. Im gleichen Jahr wurde auch die Ständige Impfkommission (STIKO) ins Leben gerufen, welche Empfehlungen zur Durchführung von Schutzimpfungen in Deutschland erarbeitet und regelmäßig prüft und aktualisiert.

Impfstoffe heute: wirksam und sicher

Seit 1980 kamen noch weitere neue Impfstoffe auf den deutschen Markt: Hepatitis B, FSME, Varizellen (Windpocken), Hepatitis A, Meningokokken, Pneumokokken, Haemophilus influenzae Typ B, Rotaviren und HPV. Die heutigen Impfstoffe sind so wirksam und gleichzeitig sicher, wie nie zuvor.

Eine aktuelle Studie kommt zu dem Ergebnis, dass durch die Impfungen gegen Kinderkrankheiten im letzten Jahrhundert in den Niederlanden zwischen 6.000 bis 12.000 Kindern das Leben gerettet  wurde. Die Berechnungen berücksichtigen erstmals den allgemeinen Rückgang der Todesfälle durch Infektionserkrankungen und den Effekt, der durch Impfungen erreicht wurde.

Weiterhin forschen Unternehmen daran, noch mehr Sicherheit gewährleisten zu können oder Impfstoffe gegen andere Krankheiten, wie beispielsweise HIV,  Ebola, Zika und Malaria zu entwickeln.


DE/VAC/0472/15w, Okt16