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Endloser Kampf gegen Masern?

Das große Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Masern bis zum Jahr 2015 in Europa zu eliminieren, ist nicht gelungen. Ganz im Gegenteil: So sind die Masern-Fälle nicht nur in Europa, sondern auch im Besonderen in Deutschland dramatisch angestiegen.

Menschenansammlung unscharf von hinten

WHO-Ziel der Masern-Ausrottung in Deutschland erneut verfehlt

Das große Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Masern bis zum Jahr 2015 in Europa zu eliminieren, ist nicht gelungen. Ganz im Gegenteil: So sind die Masern-Fälle nicht nur in Europa (1), sondern auch im Besonderen in Deutschland dramatisch angestiegen: von ca. 400 gemeldeten Fällen in 2014 auf >2.460 in 2015. Das entsprecht einer Steigerung von + 600%! (2) Von einer Ausrottung ist man also weit entfernt. Dies liegt an den nach wie vor hohen Impflücken in der Bevölkerung. Auch Deutschland schaffte es trotz hoher medizinischer Standards noch nicht, eine ausreichende Durchimpfungsrate von 95 % zu erzielen. An der klassischen „Kinderkrankheit“ Masern erkranken in den letzten Jahren zunehmend auch junge Erwachsene.

Beginn des Kampfs gegen Masern

Bereits im Jahr 1974 wurde von der WHO ein Impfprogramm, das „Expanded Programme on Immunization“ (EPI), eingeführt, das eine Empfehlung von sechs Impfungen, darunter die Impfung gegen Masern beinhaltete. (3) Ein konkreter Plan mit dem Ziel der Masern-Elimination in der WHO-Region Europa wurde in 2002 entwickelt. Ziel war zunächst die Masern-Elimination bis zum Jahr 2010, was nicht erreicht und auf 2015 verschoben wurde. (4) Dennoch wurden weltweit durch eine gute Masern-Impfstrategie große Fortschritte im Kampf gegen diese tödliche Erkrankung erzielt: Todesfälle aufgrund von Masern sind um fast 80 % zurückgegangen. Starben im Jahr 2000 noch 562.400 Menschen an Masern, so waren es 2012 immerhin noch 122.000 Todesfälle weltweit. (5)

Ziel der Masern-Elimination realistisch?

Die WHO nennt mehrere Gründe, weshalb die Krankheit Masern ausgerottet werden kann: Zum einen sind vorhandene Impfstoffe effektiv und sicher. Zum anderen haben Masern-Viren kein tierisches Reservoir, sie befallen ausschließlich den Menschen. Das bedeutet, dass bei ausreichender Immunität der Weltbevölkerung keine Übertragung und somit Vermehrung des Virus mehr stattfinden kann. Dies ist aber nur möglich, indem eine hohe Durchimpfungsrate von mindestens 95 % erreicht und aufrechterhalten wird. In anderen WHO-Regionen, wie Panamerika, konnten die Masern so bereits eliminiert werden.

Laut WHO gelten die Masern dann als ausgerottet, wenn in einem Zeitraum von 12 Monaten auf eine Million Einwohner weniger als ein Erkrankter kommt. In Deutschland wären das also nicht mehr als 80 Erkrankungsfälle pro Jahr. Im Jahr 2015 traten jedoch bis insgesamt > 2460 Fälle auf (2). 

Masern nach wie vor präsent

Der deutschen Bevölkerung, aber auch Ärzten ist die Präsenz der Krankheit „Masern“ oftmals nicht bewusst. Gerade bei Erwachsenen wird diese nicht immer sofort erkannt. Dabei sind Masern-Viren bereits in der Anfangsphase ohne Symptomausprägung hoch ansteckend. Aufgrund von zu niedrigen Durchimpfungsraten, kommt es immer wieder zu lokalen Masern-Ausbrüchen. So beispielsweise im Jahr 2013 in Berlin, als fast 500 Masernfälle registriert wurden. Eine Erkrankung kann vor allem bei jüngeren Erwachsenen mit Komplikationen wie Entzündungen des Gehirns, der Lunge und des Mittelohrs einhergehen. Krankheitsfälle in dieser Altersgruppe nehmen zu. Immer tödlich endet die Masernkomplikation SSPE (Subakute sklerosierende Panenzephalitis), deren Risiko um so höher ist, je jünger das erkrankte Kind ist.

Impfschutz überprüfen

Die Masern-Impfung wurde bereits im Jahr 1970, also vor 45 Jahren in Deutschland eingeführt, damals noch als eine einmalige Impfung. Um einen sicheren Schutz vor Masern zu erreichen, sind jedoch zwei Impfdosen in Folge nötig, wie man heute weiß. Seit 1991 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) mittlerweile die Impfung mit zwei Impfdosen. Bei allen nach 1970 Geborenen existieren daher bei den Masern Impflücken. Bei den 30- bis 39-Jährigen haben beispielsweise nur 46,7 Prozent mindestens eine einmalige Dosis erhalten. (6)

Allen nach 1970 geborenen Erwachsenen wird deshalb geraten, den Impfschutz überprüfen zu lassen. Die Krankenkassen kommen bei Kindern und Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr und bei den nach 1970 geborenen Erwachsenen mit unzureichendem oder unklarem Impfstatus für die Kosten auf. Die Masern-Impfung wird in Kombination mit Mumps und Röteln verabreicht. Auch bei diesen Krankheiten bestehen noch erhebliche Impflücken. (7)

  1. Euro WHO international
  2. Bull. 1/2016
  3. „Expanded Programme on Immunization“ (EPI)
  4. Masern-Elimination in der WHO-Region Europa
  5. Weekly epidemiological record, 7 February 2014, 89th year, No. 6, 2014, 89, 45–52
  6. Poethko-Müller, R. Schmitz: Impfstatus von Erwachsenen in Deutschland, Ergebnisse  der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1), Bundesgesundheitsblatt 2013, 56: 845-857
  7. Bull. 34/2015

DE/VAC/0472/15e(1), Mar18