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Wie wirksam sind Impfstoffe?

Frau in Laborkleidung blickt duch Mikroskop

Die Wirksamkeit von Impfstoffen und Medikamenten wird idealerweise in klinischen Studien untersucht. Der Impfstoff/das Medikament wird vielen Menschen verabreicht und geprüft, welche erwünschten Wirkungen kurz-, mittel- und langfristig auftreten. Obwohl das Vorgehen bei Impfstoffen und Medikamenten grundsätzlich ähnlich ist, unterscheidet sich die Anwendung und das Wirkprofil z. T. deutlich. Für beide ist jedoch zu sagen: „Kein Arzneimittel hat eine Wirksamkeit von 100 %.“

Ein Hauptunterschied liegt darin, dass Impfstoffe eingesetzt werden, um das Auftreten von Krankheiten in der Zukunft zu verhindern –
d. h. sie werden präventiv eingesetzt. Die meisten Medikamente, werden jedoch angewendet, um ein bestehendes Leiden zu lindern oder zu heilen – d. h. sie werden therapeutisch eingesetzt.

Ein sehr bekanntes Medikament, das von Millionen von Frauen präventiv eingenommen wird, ist die Anti-Baby-Pille. Durch die Einnahme soll eine Schwangerschaft verhindert werden. Aber auch sie hat keine 100 % Wirksamkeit. Die Wirksamkeit von Verhütungsmethoden wird mit dem sogenannten Pearl-Index angegeben. Er sagt aus, wie hoch der Anteil sexuell aktiver Frauen ist, die trotz der Verwendung einer Verhütungsmethode (z. B. der Pille) innerhalb eines Jahres schwanger werden. Die Pille hat einen Pearl-Index zwischen 0,1 und 0,9. Das bedeutet, zwischen einer und neun von 1.000 Frauen, die ein Jahr lang die Pille eingenommen haben, werden trotzdem schwanger. Ohne jegliche Verhütung liegt der Wert zwischen 30 und 85.

Bei Impfstoffen gibt es (wie bei Medikamenten auch) große Unterschiede. Die „wirksamste“ Impfung ist die Tetanus-Impfung mit einer Schutzrate von über 99 %. Von 100 geimpften Personen hat höchstens eine anschließend keinen adäquaten Impfschutz. Die Impfung gegen Hepatitis B hat bei Kindern eine Wirksamkeit von ca. 95 bis 99 %. Wird die Impfung erst im Erwachsenenalter durchgeführt, liegt die Erfolgsrate bei 90 bis 95 %. Bei der Windpockenimpfung bei Kindern wird die Wirksamkeit mit 86 % angegeben. Ungeimpft erkranken übrigens 90 bis 100 % der Personen, die mit einem Windpocken-Infizierten in Kontakt kommen. Nicht immer kann man die Wirksamkeit direkt bestimmen. Dazu wäre eine unbehandelte Vergleichsgruppe in der Studie nötig, was unethisch sein kann oder schwer zu bestimmen, da die Erkrankung sehr selten ist. Oft behilft man sich daher, die Schutzrate mit einem Antikörperspiegel zu beschreiben. Die Wirksamkeit bei Impfungen liegen in der Regel zwischen 70 % (Typhusimpfung) bis  99 % (Tetanusimpfung).

Warum aber gibt es so große Unterschiede zwischen den Impfstoffen? Der wichtigste Unterschied ist der Erreger, gegen den der Impfstoff gerichtet ist. Handelt es sich um Erreger, die durch eine bestimmte Konzentration Antikörper neutralisiert werden können, wie zum Beispiel Hepatitis B, ist der Antikörperspiegel nach der Impfung ein guter Parameter für Schutz. Auch bei Erkrankungen gegen die man nach Kontakt lebenslangen Schutz entwickelt, wie Hepatitis A, ist eine Impfung länger anhaltend als bei Erkrankungen, die man jedes Jahr wieder bekommen kann, wie die Grippe.

Ist ein solcher Antikörperspiegel nicht aussagefähig wie bei Pertussis (Keuchhusten), so sind z. B. Haushaltskontaktstudien mit hoher Probandenzahl erforderlich um die Wirksamkeit der Impfung zu bestimmen

Generell gilt aber, dass eine hohe Durchimpfungsrate der Bevölkerung einen Herdenschutz aufbaut, der für die Gruppe wirksam ist, auch wenn nicht jeder einzelne geschützt ist.
Und jeder kann helfen eine solche zu erreichen bzw. zu erhalten. Helfen auch Sie mit!

Siehe Video Herdenimmunität


DE/VAC/0472/15o, Mar18