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Pneumokokken: Symptome, Krankheitsverlauf und Impfung

Pneumokokken sind bekapselte Bakterien (Polysaccharid-Kapsel), die eine Vielzahl von Erkrankungen auslösen können. Das Spektrum reicht von symptomfreien Verläufen bis zu schweren lebensgefährlichen Krankheitsverläufen bei Meningitis (Hirnhautentzündung) und Sepsis (Blutvergiftung) mit einer hohen Sterblichkeitsrate oder Spätschäden wie geistiger Behinderung. Hauptsächlich erkranken Kinder zwischen 6 und 12 Monaten (40–50 % aller Erkrankungen) bzw. im 2.– 4. Lebensjahr, ein zweiter Erkrankungsgipfel tritt im Jugendlichenalter auf. 20 % der eitrigen Meningitiden nach der Neugeborenenzeit werden durch Pneumokokken übertragen.

Pneumokokken-Impfung für Kinder und Risikogruppen empfohlen

Die einzige Vorbeugemaßnahme gegen Pneumokokken ist die Impfung. Es gibt Polysaccharid- und Konjugatimpfstoffe zum Schutz vor bestimmten Pneumokokken-Erkrankungen. Die Konjugatimpfstoffe sind so immunogen, dass selbst junge Säuglinge Antikörper in schützender Konzentration bilden können.

Die STIKO empfiehlt die Impfung mit Pneumokokken-Konjugatimpfstoff für alle Säuglinge ab dem vollendeten 2. und 4. Monat sowie eine dritte Dosis ab dem vollendeten 11. bis 14. Lebensmonat. Frühgeborene sollen mit insgesamt 4 Impfstoffdosen im Alter von 2, 3, 4 und 11–14 Monaten geimpft werden.

Die Pneumokokken-Impfung kann problemlos gleichzeitig mit Einzel- oder Kombinationsimpfstoffen gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Hepatitis B, Polio und Haemophilus influenzae Typ b verabreicht werden, deren Gabe zu denselben Zeitpunkten für alle Kinder empfohlen ist.

Wenn bestimmte Grunderkrankungen mit erhöhter Gefährdung für Pneumokokken-Erkrankungen vorliegen, sollen Kinder bis zum vollendeten 5. Lebensjahr, die bisher nicht gegen Pneumokokken geimpft wurden, mit einem der Pneumokokken-Konjugatimpfstoffe geimpft werden.

Optional:

Dies sind: Kinder mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge angeborener oder erworbener Immundefekte, mit erhaltener T- und/oder B-zellulärer Restfunktion, ohne Milz, mit Sichelzellanämie, mit Krankheiten der blutbildenden Organe, mit Krebserkrankungen, mit HIV-Infektion und nach Knochenmarktransplantation. Ebenso Kinder mit chronischen Krankheiten wie z. B. Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krankheiten der Atmungsorgane, Diabetes mellitus oder anderen Stoffwechselkrankheiten, Niereninsuffienz / nephrotischem Syndrom, Liquorfistel, vor Organtransplantation und vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie.

Ab dem Alter von 5 Jahren kann die Impfung mit dem 13-valenten Pneumokokken-Konjugatimpfstoff oder dem 23-valenten Polysaccharid-Impfstoff erfolgen.
Auch nach einer Infektion mit Pneumokokken ist die Impfung indiziert, da diese vor weiteren Erkrankungen mit anderen Subtypen der Pneumokokken schützen kann.

Im Hinblick auf das Auftreten von Nebenwirkungen unterscheidet man bei den üblichen Nebenwirkungen zwischen lokalen Reaktionen und allgemeinen Krankheitszeichen. Lokale Reaktionen sind eine Rötung und Schwellung an der Einstichstelle, die nach wenigen Tagen abklingen. Dazu können allgemeine Krankheitszeichen, wie Fieber oder Müdigkeit auftreten – auch diese Nebenwirkungen klingen schnell wieder ab. Bitte wenden Sie sich an Ihren Arzt, wenn Sie Fragen zu Nebenwirkungen der Impfstoffe haben. Eine Übersicht über beobachtete Nebenwirkungen und deren Häufigkeit finden Sie in der Gebrauchsinformation der jeweiligen Impfstoffe.


Pneumokokken gehören zu den weltweit häufigsten Krankheitserregern

Pneumokokken Erkrankungen treten am häufigsten in den ersten beiden Lebensjahren auf.

Besonders gefährdet sind Personen ohne Milz (Asplenie) oder mit sonstigen Störungen der Immunabwehr. Auch nach einer durchgemachten Infektion wird bei Kindern, die jünger sind als 18 Monate, davon ausgegangen, dass diese sich erneut infizieren können. Man rechnet in Deutschland mit etwa 160 Hirnhautentzündungen sowie insgesamt etwa 1.000 invasiven Erkrankungen und ca. 50.000 Lungenentzündungen, die jährlich bei Kindern in den ersten 5 Lebensjahren durch Pneumokokken verursacht werden.


Symptome und Krankheitsverlauf: Lungenentzündung als häufigste Komplikation

Die Krankheit beginnt akut mit hohem Fieber, Schüttelfrost sowie gegebenenfalls Nackensteifigkeit, Berührungsempfindlichkeit oder Atembeschwerden. Vom Nasen-Rachenraum aus kann es zu einer Ausbreitung des Erregers und einer Mittelohrentzündung oder Entzündung der Nasennebenhöhlen und in deren Folge zur Lungen- oder Hirnhautentzündung kommen. 20 % der eitrigen Meningitiden nach der Neugeborenenzeit werden durch Pneumokokken verursacht.

Bei Erkrankung muss eine Behandlung mit Antibiotika erfolgen. Neben unkomplizierten Verläufen gibt es dramatische Verläufe, die trotz intensivmedizinischer Behandlung innerhalb weniger Stunden zum Tode führen.
10 % der Erkankten mit einer Meningitis versterben daran.


DE/VAC/0658/17, Dez17