Gürtelrose (Herpes Zoster) – Symptome, Krankheitsverlauf und Impfung

NP-DE-SGX-VID-190001, Sep21

Was ist Gürtelrose?

Die Gürtelrose ist eine Infektionskrankheit und wird durch dasselbe Virus ausgelöst wie die Windpocken. Mit steigendem Alter nimmt das Erkrankungsrisiko zu, Menschen ab 50 Jahren sind besonders gefährdet. Die Erkrankung kann mit starken und langanhaltenden Nervenschmerzen einhergehen. Eine frühzeitige Behandlung kann dem entgegenwirken. Noch wirksamer ist eine präventive Impfung, die für Menschen ab 50 Jahren und solche mit erhöhtem Erkrankungsrisiko zugelassen ist und eine Erkrankung verhindern kann.

Ursachen einer Gürtelrose

Ein Virus – zwei Erkrankungen

Das Varizella-Zoster-Virus kann zwei unterschiedliche Erkrankungen hervorrufen. Beim ersten Kontakt mit den Viren erkrankt die Person an Windpocken. Windpocken sind extrem ansteckend. So erklärt es sich, dass über 95 Prozent der Erwachsenen die Erkrankung durchgemacht haben – und somit potentiell auch an Gürtelrose erkranken können. Denn das Virus verbleibt nach den Windpocken schlummernd in den Spinalganglien des Nervensystems und kann bei schwächer werdendem Immunsystem erneut aktiv (reaktiviert) werden. Das Ergebnis ist eine Gürtelrose. Jeder Dritte erkrankt mindestens einmal im Leben an Herpes Zoster, wie die Gürtelrose auch heißt.

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95% aller Menschen über 50 hatten in der Kindheit Windpocken, d.h. sie sind mit dem Varizella-Zoster-Virus infiziert und können daher an einer Gürtelrose erkranken.

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Ca. jeder Dritte erkrankt im Laufe seines Lebens an einer Gürtelrose.

Mit dem Alter steigt das Risiko für eine Gürtelrose

Mit steigendem Alter werden nicht nur Haare grau und Falten tiefer, sondern auch das Immunsystem verliert an Leistungsfähigkeit. Man bezeichnet diesen Vorgang als Immunoseneszenz.

Gürtelrose Lebenszyklus

Ab einem Alter von 50 Jahren zeigt sich dieser Effekt deutlicher: Man wird häufiger krank, erkrankt schwerer oder braucht länger, um gesund zu werden. Zwei von drei Gürtelrose-Erkrankungen betreffen Personen über 50 Jahre. Damit gehören alle Menschen über 50 Jahren zur Risikogruppe für eine Gürtelrose.

Auch wenn das Immunsystem vorübergehend oder krankheitsbedingt geschwächt ist, tritt die Gürtelrose häufiger auf. Das ist bei Therapien der Fall, die das Immunsystem unterdrücken, z. B. bei Rheuma. Grundsätzlich gibt es jedoch keine speziellen Risikogruppen, denn der maßgebliche Risikofaktor bleibt das Alter.

Stress als Auslöser?

Die meisten Menschen wissen, dass Stress ein Auslöser für eine Gürtelrose sein kann. Das ist richtig, denn negativer Stress oder starke Belastungen können das Immunsystem schwächen und somit den Weg dafür bereiten, dass Krankheiten wie die Gürtelrose überhaupt eine Chance bekommen. Doch auch wer Stress vermeidet, sich ausreichend bewegt und gesund ernährt, kann an Gürtelrose erkranken. Der Hauptrisikofaktor ist das Alter.


Symptome & Krankheitsbild

Meist geht den Symptomen, die eine Gürtelrose eindeutig identifizierbar machen, eine Phase mit unspezifischen Krankheitszeichen wie Müdigkeit, Gliederschmerzen, allgemeinem Unwohlsein und manchmal auch leichtem Fieber voraus. Erst nach zwei bis drei Tagen treten dann brennende Schmerzen, häufig auch Juckreiz oder ein kribbelndes Hautgefühl auf. Außerdem kann sich eine Rötung oder Schwellung der Haut in dem Bereich zeigen, in dem später die Bläschen erscheinen. Viele Patienten beschreiben diese Körperregion als extrem berührungsempfindlich.

Ist Gürtelrose ansteckend?

Prinzipiell ja. Allerdings nur für Personen, die noch keine Windpocken hatten. Infektiös ist bei der einer Gürtelrose nur der Inhalt der Hautbläschen, z. B. durch direkte Berührung oder über die Hände oder infizierte Gegenstände, wie Türgriffe, Treppengeländer, Wasserhähne, Besteck usw.. Sind die betroffenen Hautstellen gut abgedeckt, ist die Ansteckungsgefahr gering.

Steckt sich eine Person – in der Regel kleine Kinder – an, so bekommt sie die Windpocken und nicht die Gürtelrose.

Hautausschlag

Im Gegensatz zur Windpocken, bei denen Bläschen am gesamten Körper gleichermaßen auftreten können, betrifft der Hautausschlag bei der Gürtelrose meist nur eine oder wenige Körperstellen bzw. einen begrenzten Bereich. Das kann am Rumpf oder im Lendenbereich sein und sich, wie der Krankheitsname impliziert, wie ein Gürtel um den Körper ziehen, aber auch an anderen Stellen des Körpers kann der Hautausschlag auftreten. Nach einigen Tagen beginnt das Abtrocknen und Verkrusten der Bläschen.

Nervenschmerzen

Eine Gürtelrose wird häufig von (einseitigen) teilweise sehr heftigen Schmerzen begleitet. Bei einigen Patienten beginnen sie bereits, bevor ein Hautausschlag zu sehen ist, bei anderen während der Akutphase und bei einigen sogar erst, nachdem die typischen Hautveränderungen bereits abgeklungen sind. Diese halten etwa zwei bis vier Wochen an und werden als brennend bis stechend beschrieben. Das tückische ist, dass die Schmerzen nach dem Abheilen der Bläschen nicht grundsätzlich wieder verschwinden (Post-Zoster-Neuralgie).

Wie lange dauern die Symptome an?

Das unspezifische Stadium dauert meist drei bis fünf Tage. Ab dem Auftreten der Bläschen dauert es in der Regel fünf bis sieben Tage bis zur vollständigen Verkrustung. Zwischen den ersten Anzeichen und dem Abheilen der letzten Bläschen liegen also in der Regel zwei bis vier Wochen. Werden Bläschen aufgekratzt, können dauerhafte Narben entstehen. Die Dauer und Intensität der Nervenschmerzen sind von Patient zu Patient sehr verschieden. Meist verschwinden die Schmerzen nach dem Abheilen des Hautausschlags. Manchmal aber bleiben sie noch mehrere Wochen bis Monate, teilweise noch länger, bestehen. Man spricht dann von einer Post-Zoster-Neuralgie (PZN). Das Risiko für solche dauerhaften Schmerzen steigt, wie auch für die übrigen Folgen einer Gürtelrose, mit zunehmendem Alter.

Folgen und Komplikationen

Bei einem guten Immunsystem und rechtzeitiger Behandlung heilt eine Gürtelrose folgenlos aus. Doch die Viren verbleiben weiterhin in den Nerven und können erneut reaktiviert werden und eine weitere Gürtelrose-Erkrankung hervorrufen.

Entzündungen des zentralen Nervensystems

Verläuft die Heilung nicht problemlos, kann es auch zu länger andauernden Folgen kommen, z. B. einer Hirnhautentzündung (Zoster-Meningitis), einer Hirnentzündung (Zoster-Enzephalitis) und einer Rückenmarksentzündung (Zoster-Myelitis).

Schlaganfall und Herzinfarkt

In den ersten Wochen und Monaten nach der Erkrankung ist das Risiko erhöht, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden.

Post-Zoster-Neuralgie

Bleiben die Nervenschmerzen nach der Erkrankung mehr als 90 Tage bestehen oder treten sie drei Monate nach dem Abheilen erneut auf, so spricht man von einer Post-Zoster-Neuralgie (post = nach, Zoster = Herpes Zoster/Gürtelrose, Neuralgie = Nervenschmerz). Die betroffenen Nerven können während der akuten Gürtelrose geschädigt werden. Das ist die Ursache für die Schmerzen. Die betroffenen Körperstellen einer Gürtelrose sind dann übermäßig schmerzempfindlich. Bereits leichte Berührungen können starke Schmerzen auslösen.

Tendenziell lässt sich sagen, dass mit steigendem Alter, aber auch mit der Schwere der Gürtelrose, das Risiko ansteigt, nach einer überwundenen Gürtelrose von einer Post-Zoster-Neuralgie betroffen zu sein. Je älter ein Patient ist, desto häufiger treten die Nervenschmerzen und damit die PZN auf. Auch ein Jahr nach der Erkrankung haben noch zwei bis fünf Prozent der Erkrankten Beschwerden.

Eine gezielte Schmerztherapie ist dann notwendig. Die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung einer PZN kann durch eine frühzeitige antivirale Behandlung und durch umfassende Schmerztherapie bereits während der Erkrankung verringert werden. Vorbeugen kann man durch eine Impfung gegen Gürtelrose.

Habe ich Gürtelrose? Die Diagnose der Erkrankung

Diagnose so schnell wie möglich

Bei einer Gürtelrose sollte eine Diagnose immer möglichst schnell gestellt werden, um mit einer antiviralen Behandlung so früh wie möglich beginnen zu können.  Die Therapie ist am wirksamsten, wenn sie innerhalb der ersten drei Tage (72 Stunden) nach dem Erscheinen des Hautausschlags begonnen wird.  Beim ersten Verdacht sollte daher möglichst zeitig ein Arzt zur Abklärung aufgesucht werden.

Der Hautausschlag ist typisch

Die Diagnose erfolgt, sowohl bei den Varizellen als auch beim Herpes Zoster, durch das klinische Bild. Der Hautausschlag ist sehr typisch. Nur bei untypischen Verläufen, z. B. bei sehr jungen Patienten oder wenn die Symptome nicht eindeutig zugeordnet werden können oder der Ausschlag nicht klar nach einem Herpes Zoster aussieht, wird gezielt nach dem Erreger gesucht. Atypische oder generalisierte Krankheitsverläufe treten vor allem bei immunsupprimierten Patienten auf.

Behandlung

Eine medikamentöse Behandlung, um die Viren zurückzudrängen, funktioniert am besten sehr früh während der Erkrankung. Auch eine Schmerztherapie ist von großer Bedeutung.

Schnelle Behandlung entscheidend

Wichtig für die Behandlung einer Gürtelrose ist, dass sie am effektivsten wirkt, wenn sie innerhalb von 72 Stunden nach Auftreten der Hautveränderungen begonnen wird. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser. Aufgrund der anfangs unspezifischen Symptome geschieht die allerdings häufig zu spät.
Durch die Behandlung mit so genannten Virostatika, also Medikamenten, die die Vermehrung von Viren verlangsamen, können die Schwere und Dauer des Hautausschlags, sowie die akuten Schmerzen reduziert werden.
Sobald also ein Verdacht vorliegt, dass genannte Symptome von einer Gürtelrose kommen könnten, sollte schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden, um eine Behandlung so rasch wie möglich zu beginnen. Keinesfalls sollte eine Gürtelrose oder damit einhergehende Nervenschmerzen auf die leichte Schulter genommen werden. 

Varizella-Zoster-Viren bleiben im Körper

Gürtelrose kann im herkömmlichen Sinne nicht geheilt werden. Nur die Symptome können behandelt und dadurch gelindert werden, um eine Genesung zu erreichen. Die Viren verbleiben jedoch weiterhin im Körper. Sie ziehen sich wieder in die Spinalganglien im Rückenmark zurück und können später wiederholt reaktiviert werden, d. h. eine wiederholte Erkrankung an Gürtelrose ist möglich.

Schmerztherapie

Ein wichtiges Ziel der Behandlung einer Gürtelrose ist es, die Entstehung einer Post-Zoster-Neuralgie (PZN) möglichst zu verhindern. Eine frühzeitige und ausreichende Schmerztherapie ist dafür von großer Bedeutung. Die Schmerztherapie folgt den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Das bedeutet, dass die Medikamente so gewählt werden, wie das bei anderen Erkrankungen mit neurologischen Schmerzen auch geschieht. Daher kann bei einer Gürtelrose neben der Konsultation des Hausarztes eventuell auch ein Neurologe aufgesucht werden. Die individuelle Auswahl der Medikamente und der Dosierungen trägt entscheidend zum Therapieerfolg bei.
Leider ist die Behandlung neuralgischer Schmerzen aber häufig schwierig und zeigt nicht immer den gewünschten und erhofften Erfolg. Die starken, oft als unerträglich beschriebenen Schmerzen beeinträchtigen das Leben der Betroffenen in starkem Maße. Sowohl starke Einschränkungen in der Freizeit, als auch im Sozialleben und der Familie können die Folgen einer Gürtelrose sein. Die ständigen Schmerzen beeinträchtigen den Schlaf, die seelische Verfassung und damit auch die Leistungsfähigkeit. Manchen Patienten ist es aufgrund der starken Nervenschmerzen vorübergehend nicht möglich, einer Arbeit nachzugehen.

Lokale Behandlung der Bläschen

Desinfizierende, juckreizlindernde oder entzündungshemmende Salben oder Tinkturen können lokal auf die Haut aufgetragen werden und das Abheilen der Bläschen unterstützen und eine Infektion der Haut an aufgekratzten Stellen verhindern. 

Prävention – Gürtelrose vorbeugen

Bei vielen Menschen heilt eine Gürtelrose folgenlos aus. Häufig treten aber auch Komplikationen wie Schmerzen auf. Eine vorbeugende Impfung kann verhindern, dass die Erkrankung ausbricht und somit auch Folgen vermeiden.
Da das Alter der größte Risikofaktor ist, ist eine Vorbeugung für jeden älteren Menschen und (jüngere) Erwachsene mit erhöhtem Krankheitsrisiko sinnvoll. 

Tortendiagramm 2/3

aller Fälle von Gürtelrose ereignen sich bei über 50-Jährigen.

Die Impfungen gegen Gürtelrose

Die verfügbare Impfung ist für Personen, die gefährdet sind, an einer Gürtelrose zu erkranken. Die Impfung verfolgt das Ziel, einen erneuten Ausbruch des Windpocken-Virus, und damit die Krankheit Gürtelrose, zu unterdrücken. Es handelt sich um eine vorbeugende Impfung, nicht um eine therapeutische.

Für wen ist die Impfung empfohlen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt, alle Personen ab 60 Jahre zu impfen. Darüber hinaus empfiehlt sie die Impfung ab 50 sowohl für Personen mit schweren Grunderkrankungen als auch für Personen mit Immunsuppression. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob eine Impfung für Sie in Frage kommt.

Sicherheit der Impfung oder: Impfreaktionen

Wie bei vielen Impfungen üblich, können auch bei der Gürtelrose-Impfung Impfreaktionen auftreten, die normalerweise ein bis drei Tage anhalten.
Diese entstehen, da der Körper auf die Impfung reagiert und das Immunsystem aktiviert wird. Typische Reaktionen auf die Impfung sind Schmerzen, Rötung und Schwellung der Einstichstelle, Erschöpfung, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Fieber.


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