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Masern: Symptome, Krankheitsverlauf und Impfung

Fast nirgendwo klaffen Einschätzung und Realität so weit auseinander wie bei Masern: Die meisten halten sie für eine harmlose Kinderkrankheit – in Wirklichkeit gehören die Masern zu den gefährlichsten Viruserkrankungen. Jedes Jahr sterben weltweit noch fast 400.000 Menschen an dieser Erkrankung.

Durch rechtzeitige Impfung lassen sich Masern wirksam vorbeugen

Eine Behandlung mit Medikamenten, die die Ursache der Erkrankung bekämpfen, gibt es nicht. Deshalb ist die Masernimpfung von Kleinkindern als Vorsorgemaßnahme von größter Wichtigkeit. Für alle Kinder werden zum Schutz vor Masern, Mumps, Röteln und Windpocken Impfungen an zwei Terminen empfohlen: Der erste Impftermin um den ersten Geburtstag herum (ab vollendetem 11. bis vollendetem 14. Lebensmonat), der zweite Impftermin im Alter von 15–23 Monaten, d. h. vor dem zweiten Geburtstag. Zwischen dem ersten und dem zweiten Impftermin sollen mindestens 6 Wochen liegen.

Um den frühestmöglichen Impfschutz zu erreichen, z. B. vor der Aufnahme in eine Gemeinschaftseinrichtung, kann die erste Impfung unter bestimmten Umständen bereits zwischen dem 9. und 11. Lebensmonat durchgeführt werden. Die Zweitimpfung muss dann bereits zu Beginn des 2. Lebensjahres erfolgen.

Alle Jugendlichen, die noch nicht zwei Mal gegen Masern, Mumps, Röteln geimpft wurden, sollten dies bis zum 18. Geburtstag nachholen. Seit 2010 empfiehlt die STIKO übrigens auch die Masern-Impfung allen Erwachsenen, die nach 1970 geboren wurden und einen unklaren Impfstatus haben oder in der Kindheit keine oder nur eine Impfung erhalten haben. Eltern schützen mit der Impfung nicht nur sich selbst, sondern auch indirekt ihre Kinder, bevor diese selbst geimpft werden können. Bringen Sie beim nächsten Arztbesuch einfach Ihren eigenen Impfpass mit und lassen Sie Ihren Impfstatus überprüfen. Eine Auffrischimpfung ist nicht notwendig.


Weltweite Masern-Verbreitung mit unterschiedlicher Häufigkeit

Masern sind weltweit verbreitet, jedoch mit sehr unterschiedlicher Häufigkeit. In einigen wenigen Ländern, in denen konsequent zweimal geimpft wird (USA, skandinavische Länder, Großbritannien, Niederlande), tritt die Krankheit fast gar nicht mehr auf.

Masern zählen zu den ansteckendsten Krankheiten und werden durch Tröpfcheninfektion übertragen (Sprechen, Husten). An Masern können auch Erwachsene erkranken, wenn diese nicht geimpft sind bzw. die Krankheit als Kind nicht durchgemacht haben. In der Regel sind die Folgen dann besonders schwer.


Symptome und Krankheitsverlauf: Masern können das Immunsystem langfristig schwächen

Zwischen der Ansteckung und dem Auftreten der ersten Krankheitszeichen vergehen 9 bis 12 Tage. Masern beginnen zunächst mit hohem Fieber, Abgeschlagenheit, bellendem, krampfartigem Husten, Schnupfen und Bindehautentzündung. In den Wangentaschen bilden sich oft kleine weißliche Flecken. Nach 1 bis 2 Tagen fällt das Fieber vorübergehend ab und steigt am nächsten Tag wieder an. Innerhalb von 3 Tagen bildet sich bei zunehmendem Fieber der typische Hautausschlag. Er beginnt hinter den Ohren und im Gesicht, um sich dann rasch über den ganzen Körper auszubreiten. In den nächsten 3 bis 4 Tagen verblassen die Flecken in der Reihenfolge, in der sie entstanden sind. Im Zeitraum von 3 bis 5 Tagen vor bis etwa 4 Tage nach Auftreten des Hautausschlags kann der Erkrankte andere Menschen anstecken. Die MasernErkrankung hinterlässt regelmäßig eine Schwäche des Immunsystems für mindestens 6 Wochen.

Erfreulicherweise heilen Masern in den meisten Fällen folgenlos aus, obwohl Komplikationen wie Mittelohrentzündung, akute Bronchitis und sogar Lungenentzündung nicht selten sind. Besonders gefürchtet ist eine durch Masern verursachte Gehirnentzündung (Enzephalitis), die etwa bei einem von 1.000 Patienten auftritt. Diese endet auch heute noch bei 30 % der Patienten tödlich oder hinterlässt in 20 % der Fälle eine bleibende Behinderung. Neue Erkenntnisse weisen darauf hin, dass die Otosklerose, eine im Erwachsenenalter auftretende Verkalkung der Gehörknöchelchen mit der Folge einer Schwerhörigkeit, durch eine MasernInfektion im Kindesalter verursacht wird. Bei Patienten mit Otosklerose konnten Anteile des Masernvirus und Antikörper gegen diese Viren im Bereich der Gehörknöchelchen nachgewiesen werden. Eine seltenere, aber in jedem Fall tödlich endende, äußerst gefürchtete Komplikation ist die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE). Die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung einer SSPE liegt bei Kindern unter 5 Jahren bei 1:1700 – 1:3300. Hierbei handelt es sich um eine chronische, langsam fortschreitende Gehirnentzündung durch das MasernVirus. Der Verlauf der SSPE ist durch einen zunehmenden körperlichen und geistigen Verfall mit komplettem Verlust erlernter Fähigkeiten gekennzeichnet. Das Risiko dieser extrem gefürchteten Erkrankung scheint umso höher zu sein, je jünger die Kinder zum Zeitpunkt der Masern-Erkrankung sind.


DE/VAC/0655/17, Dez17